Wie man wirkungsvolle Bilder malt und mit ihnen zur lebenden Legende wird
Egal, welches kunstorientierte PDF-Magazin, welches Flickr-Portfolio, welches Künstler-Weblog und welchen Bildband ich mir auch anschaue… Die besten – will sagen beeindruckendsten – Bilder sind meiner Meinung nach jene, deren Motive den Betrachter verstören.
Soll ich dir, vermeintlicher Künstler, der nicht weiß, wie man Betrachter verstört, erklären, wie auch du ein Publikum findest? Nun gut.
Aber Vorsicht!
Niemals darfst du zugeben, dass deine von allen gelobte Begabung einzig aus der Befolgung der unten genannten Ratschläge besteht! Oder anders: Du solltest zumindestens vorgeben, mehr auf dem Kasten zu haben als jene, die ebenfalls nur die Geheimnisse wirkungsvoller Bilder kennen.
Wenn du etwa Industrieanlagen in Zuckerguss nachbildest, dann tust du das natürlich um des politischen Statements willen. Und nicht, damit du das Werk so bald und teuer wie möglich verkaufen kannst.
(Ich schätze mal, der meistbeanspruchte Körperteil vieler schon zu Lebzeiten erfolgreicher Künstler ist das Pokerface.)
…
Das Wichtigste zuerst:
Bosch, Dali und Escher haben es vorgemacht und du musst es ihnen gleichtun: Deine Bilder sollten auf den ersten Blick realistisch sein und beim zweiten die Frage aufwerfen, was zum Teufel auf ihnen eigentlich vor sich geht.
Die folgenden Tricks funktionieren ebenfalls – und zwar immer:
a) Kombiniere Normalität mit Wahnsinn oder Niedliches mit Bösem (Stichwort: Kindersoldaten) und lande garantierte Treffer.
b) Vertausche die Rollen von Opfern und Tätern bzw. Nutzer und Benutzer. Zeichne eine ‘nen Menschen auspressende Apfelsine erfreue dich an den Reaktionen deiner Mitmenschen, die dieser billige Spiegeltrick mächtig beeindrucken wird.
c) Verwende teure bzw. einzigartige Materialien. Selbst das fuglieste Selbstportrait wird Spitzenpreise erzielen, wenn du die Farben mit Regelblut und Bierschiss angerührt hast. Hier gilt der Grundsatz: Was sich kein(e) andere(r) traut und keine(r) versteht, muss wohl Kunst sein.
d) Schaffe große Werke, denn für die meisten Menschen kommt es AUF DIE GRÖSSE an! Ein Typ namens Jackson Pollock hat sein ganzes Leben lang eimerweise Farbe auf großflächige Leinwände geschüttet und ist dadurch bekannt geworden. (Minimaler Einsatz -> maximaler Erfolg)
Schade bloß, dass Pollocks ‘Kunstform’ inzwischen bekannt und damit unoriginell geworden ist.
Mal abgesehen davon, dass Action Painting fucken sux! Denn …
e) It’s all about Gute Laune Details: Je frickeliger das Bild ist, desto mehr wirst du als Künstler geschätzt. Hieronymus Boschs Triptychon Garten der irdischen Wonnen etwa ist Kunst in Perfektion, denn das Werk ist zu gleichen Teilen groß, detailreich und whatthehellig.
Nimm dir ein Beispiel daran, schaffe Kunst und werde zur lebenden Legende.
…
Ach ja: Vergiss den Goldenen Schnitt nicht!

