Wie man seiner journalistischen Sorgfaltspflicht nachkommt
Indem man …
1)
… die von Presseagenturen hingeworfenen Nachrichtenbrocken stimmig ausschmückt. Oder zumindest fehlerfrei abtippt.
1a)
… eigene Blickwinkel vermeidet.
1b)
… Meinungen nur in Glossen-, Kolumnen- und Leserbrief-Form abdruckt, um keine Leser zu verschrecken.
2)
… stets andere Fotos vom selben Unglück abdruckt als die Konkurrenz. Oder zumindest eine beschnittene Schwarzweiß-Variante der einzig vorhandenen Fotografie. Dabei ist es egal, ob der Leser auf dem Foto überhaupt etwas erkennen kann vor lauter Pixeln und Balken. Hauptsache, er bekommt ein Bild geliefert.
3)
…, statt den Platz an Wissenswertes zu verschwenden, viele Monde alte IMDB-News in Lückenbüßer-Beiträge verwandelt.
4)
… Interviews so allgemein wie möglich führt, weil sich sonst kaum noch ein Leser dafür interessiert.
5)
… Anzeigen als solche kennzeichnet.
5a)
… vom Verfall der Gesellschaft berichtet und sich gleichzeitig durch Anzeigen unethisch handelnder (Groß-)Konzerne finanziert. Geld stinkt nämlich nicht und ohne deren Geld wäre es unmöglich, die Wahrheit zu berichten.
5b)
… lieber mal einen Bericht weniger veröffentlicht, als einen Anzeigenkunden zu vergraulen.
6)
… ein Impressum abdruckt.
6a)
… ein Impressum abdruckt, das nicht verrät, wer tatsächlich für die (politische) Richtung der Inhalte verantwortlich ist. Ein Impressum beispielsweise, aus dem nur Eingeweihte ablesen können, dass der Chefredakteur noch bis vor kurzem den Ton eines weniger angesehenen Tageblatts angab.
7)
… auf die neueste Mediengeneration schimpft. Weil sich deren Vertreter weder der journalistischen Sorgfaltspflicht noch dem Ethos der Journalisten verpflichtet fühlen und darum den einen Tag über politische Entwicklungen vom Leder ziehen können und den darauf von einer Darmspiegelung berichten.

