Ungewöhnlich

In der Sächsischen Zeitung vom 10./11. November 2007 wird berichtet, dass der »mutmaßliche« Delitzscher Sexualtäter anhand von DNA-Spuren dingfest gemacht wurde.

Was an sich nichts Schlechtes wäre, wenn der Mutmaßliche nicht nur …

»1995 und 2006 wegen kleinerer Drogendelikte aufgefallen, aber nicht verurteilt worden [wäre], sagt Polizeisprecherin Babette Faust. Dennoch war sein genetischer Fingerabdruck in der bundesweiten DNA-Datenbank gespeichert. Das ist ungewöhnlich, da in dieser Datei normalerweise nur Personen gespeichert werden, die wegen bestimmter Katalogstraftaten verurteilt wurden.«

Ungewöhnlich, in der Tat. Leider geht der mutmaßliche Journalist Thomas Schade nicht weiter darauf ein. Wohl, weil es die Leser nicht interessiert. Hauptsache, ein Perverser ist geschnappt.

Würde mich echt mal interessieren, ob irgendwann auch Daten des Soko-Heller’schen Massen-Gentests zum Einsatz kommen, wenn anderswo ein Verbrechen aufgeklärt werden muss?

NACHTRAG vom 13. November:
Mir ist erst gerade eben auf- bzw. eingefallen, dass die Beamten der Soko Delitzsch laut Text das mögliche Täterfeld dank einer Zeichnung des Opfers bereits bis auf ein Mehrfamilienhaus eingegrenzt hatten. Die Namen der Bewohner haben sie dann ins Gendatenbank-Suchfeld eingegeben. Columbo hätte bei allen Mietparteien geklingelt und sie mürbe gequatscht. Aber so etwas gibt es anscheinend nur im Fernsehen.

Spaßfakt am Rande: Dass die Soko Heller nicht CSI:Miami ist und deshalb freudestrahlend auf Großangriffe und Kommissar Zufall setzen muss, hätte man eigentlich schon an ihrem ersten Fahndungsplakat bemerken müssen, auf dem die Winterjacke des Täters die Aufschrift »Kenvod« statt Kenvelo trug:

Kenvod? Kenvelo!

Nein, auch ich hätte nicht gewusst, dass es falsch ist; hätte das Kleidungsstück halt für ‘ne Billigjacke gehalten, wie man sie an der Tschechengrenze kaufen kann.

Aber von Mitarbeitern der Polizei erwarte ich doch ein wenig mehr Fachwissen, wenn es um die Dingfestmachung eines Schwerverbrechers geht. Bzw. die Drucklegung eines Fahndungsplakates, welches mancherorts auch heute noch aushängt.

Alles in allem sind Rasterfahndung und Massen-Gentests das ganze Gegenteil von ehrlicher Polizeiarbeit. Vor allem, wenn sich später herausstellt, dass die Daten derer, die sich da gutmütig hinbegeben haben, unter Umständen gar nicht wirklich vernichtet werden.

Und wer jetzt mal wieder meint, nichts verbergen zu brauchen – es geht ja nur dem Erbfeind dem Klassenfeind Terroristen und Schwerverbrechern an den Kragen –, der sollte die nachfolgend verlinkten Texte lesen und die in ihnen aufgeführten Argumente durchdenken, bevor er Speichelproben abgibt oder auch nur einen Reisepass beantragt:

+ »Ihr lasst zu viel mit euch machen«
+ »Wer nichts zu verbergen hat«
+ »Wir haben nichts zu verbergen«

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