Gruselgrotte der blutdurstigen Würste

Sozialstaat

Detlef Müller, ein SPDler aus Chemnitz, hat auf Abgeordnetenwatch Argumente gegen das bedingungslose Grundeinkommen vorgebracht. Und ich habe mir einige herausgepickt und kommentiert:

Das Konzept [vom BGE] blendet die Vielschichtigkeit von Armut vollkommen aus. Die heutige Unterschicht leidet keineswegs nur an Geldknappheit, sondern gerade auch an fehlenden Chancen aktiver Teilhabe, an mangelnder Bildung und der "Vererbung" sozialer Benachteiligung.

Leiden, die sich doch wohl hauptsächlich auf Geldmangel und die damit einhergehenden Minderwertigkeitskomplexe zurückführen lassen. (Obwohl es wirklich ausreichend Menschen gibt, die nicht mit Geld umgehen können.) Schließlich ist auch Reichtum und Ansehen oft ererbt.

Ein sozialer Staat ermutigt, aktiviert und befähigt deshalb seine Bürger zu Partizipation, Leistung, Kreativität.

Und zwar durch Eurojobs, Studiengebühren, Riesterrente sowie erzwungene Wohnortwechsel und andere Mutmacher.

Er investiert in die Menschen, anstatt sie zu alimentieren.

Doch plötzlich gilt es, eine Bank mit beeindruckendem Namen zu retten, bevor ihr endgültig die Beine wegbrechen. Mit Steuergeldern, welche für andere Zwecke niemals in dieser Menge und kurzen Zeit aufzutreiben wären. (Na gut, vielleicht noch für den Kampf gegen potentielle Terroristen oder Raubkopierer.)

Nicht verschweigen darf man auch in diesem Zusammenhang, dass das Grundeinkommen zu der Annahme verführen könnte, Arbeit sei etwas, was man je nach Lebensabschnittslaune tun oder eben lassen könne.

Anstatt der Sinn des Lebens. Neben Beten Konsumieren, versteht sich.

Mehr noch: Mit einiger Wahrscheinlichkeit würde ein bedingungsloses Grundeinkommen die gesellschaftlichen Vorstellungen über den Sinn und Wert von Arbeit negativ verändern und die Motivation der Menschen mindern, sich zu qualifizieren.

Früher träumten Kinder davon, Pilot, Astronautin oder Tierarzt zu werden. Heute wissen sie: Sie gehen in die Hauptschule und werden demnach höchstens Putze oder SoldatIn. Doch auch in Gymnasien und Hochschulen geht die Angst um, die absurd hohen Mindestpunktzahlen zu untertreffen, die es braucht, um einen Spitzenjob zu ergattern. Sozial ist, was depressiv macht. Und früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will.

Dabei werden schon heute in vielen Branchen Hände ringend qualifizierte Fachkräfte gesucht, der Staat sollte deshalb alle finanziellen Ressourcen nutzen, diese Menschen fit für den Arbeitsmarkt zu machen.

Und ich dachte, Unternehmen würden Fachkräfte ausbilden statt händeringend (this Formulierung makes me kotzen) nach ihnen zu suchen.

Tendenziell würden die Bürger ihre Arbeit zugunsten von mehr Freizeit reduzieren.

OMFG! Tendenziell haben bereits heute schon viele Bürger enorm viel Freizeit. In der sie jedoch Bewerbungen schreiben, sich bei Ämtern melden oder Bewerbungstrainings absolvieren ‘dürfen’ (sonst Leistungskürzung). Sie werden gefördert und gefordert bzw. arbeitsbeschäftigt, je nach Sichtweise. Oder sie laufen sammelnd durch die Stadt, denn das Geld liegt in Form von Pfandflaschen und Altpapier auf den Straßen.

Dadurch würde die Produktivität unserer Wirtschaft sinken, was wiederum geringere Erlöse und steigende Preise zur Folge hätte.

Bzw. Produkte, die nicht drei Wochen nach Garantieablauf zerbröseln. Weil: Wer will schon ständig Kram reparieren müssen, statt Freizeit zu haben? (Unser aller Eltern wahrscheinlich.)

Man kann nur das Geld verteilen, welches man zunächst erwirtschaftet hat.

Sollte das bedingungslose Grundeinkommen gar *gasp* das Ende der Geldwirtschaft einläuten? Man darf gespannt sein.

Müllers Argumentation gegen die Finanzierbarkeit habe ich mal übergangen, denn die kann ich mit meinem Viertelwissen nicht entkräften. Nur soviel: Die Geldflüsse werden sich neue Betten suchen.

Es gäbe einen aufgeblasenen Verwaltungsapparat weniger in Deutschland. So etwas hilft haushalten. Und da der Psychodruck auf (Nicht-)ArbeiterInnen verpufft, würde wahrscheinlich die Verbrechensrate sinken und der Gesundheitszustand aller Bürger steigen.

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(1. October 2008, 1:44) - Null Reaktion

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