Gruselgrotte der blutdurstigen Würste

Schwarz/Geld

Es ist für einen Miesepeter wie mich sowieso nicht einfach, gelassen zu bleiben. Und dann stiftet mich auch noch ein Dresdner A-Blogger dazu an, mir die schwarzgelben Vorstellungen von zukunftsfähiger Landespolitik zu Gemüte zu führen.

*schauder*

Inzwischen habe ich mich gerade mal so durch die Präambel – also ein im Schwafelton verfasstes Vorwort – der Koalitionsvereinbarung gequält. Das ist wahrlich kein Spaß:

»Zwanzig Jahre nach der friedlichen Revolution blicken wir auf eine erfolgreiche Entwicklung unseres Freistaates zurück. […] Gegenwärtig steht Sachsen vor neuen Herausforderungen. Der demografische Wandel, die wirtschaftliche Entwicklung und der finanzielle Rahmen verlangen nach neuen Antworten.«

Alles lief prima, bis letztes Jahr plötzlich unzählige Rentner nach Görlitz zogen, oder was? Und war da nicht noch was mit Georg Milbradt (CDU) und der Sachsen LB? Oder mit Mügeln, NPD-Wahlerfolgen und Cross-Border-Leasing?

»Wir wollen die Weichen dafür stellen, dass Sachsen im Jahr 2020, nach dem Auslaufen des Solidarpaktes, finanziell auf eigenen Beinen steht.«

Und zwar mit weiteren Privatisierungen, breiteren Straßen, mehr Konsumtempeln, Baugenehmigungen unter anderem in hochwassergefährdeten Gebieten, und nicht zuletzt auch mit der Förderung von Tourismusindustrie und der Zukunftstechnologie Automobil.

»Wir brauchen mutige Unternehmer, engagierte Arbeitnehmer und eine Landesverwaltung, die sich als Partner und Dienstleister versteht.«

Schade, dass die Schwarzgelben nicht geschrieben haben, welche Sorte Mitbürger sie ausdrücklich nicht (ge)brauchen können. Sonst würden sie wohl kaum noch immer von so vielen Wählerinnenprozenten in Amt und Würden bestätigt.

»Wir setzen […] auf die Werte der friedlichen Revolution, auf die Ideen, den Optimismus und die Heimatverbundenheit der Menschen. Wir setzen auf die Freiheit und Verantwortung des Einzelnen, auf Bürgersinn und Gemeinsamkeit.«

Nicht einmal Spielsüchtige sind imstande, soviele fremde Werte zu (ver)setzen.

»Zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung können wir stolz auf das Erreichte sein. Sachsen hat viel zu bieten: exzellente Bildungschancen, ein beeindruckendes Wirtschaftspotenzial sowie eine hohe Bereitschaft zu Leistung und Solidarität. Darauf wollen wir aufbauen.«

Chancen, Potential und Bereitschaft. Klingt wie die abmahnsicheren Formulierungen in schlechten Arbeitszeugnissen. Die Sachsen haben stets versucht, Chancen zu nutzen.

»Wir werden den Freistaat modernisieren, damit unser Wohlstand im harten nationalen und internationalen Wettbewerb weiter wachsen kann.«

Unser Wohlstand? Sicherlich ist der Wohlstand aller Sachsen gemeint und nicht bloß der einiger privilegierter Oberschichtler.

Auch die Phrase, dass er »weiter wachsen« wird, ist typischer Werbeslang, welcher entweder Gier als Fortschritt tarnt oder aber auf (vermeintliche) Misstände hinweist, ohne die Käufer zu beleidigen oder zu erschrecken.

Allein deshalb steht da nicht, dass unser Wohlstand einem internationalen Vergleich nicht standhält. Bzw. drastisch schrumpfen wird, falls »der Fortschritt«™ über den sog. Freistaat Sachsen hinweg fortschreitet.

»CDU und FDP vereint ein ehrgeiziges Ziel. Wir wollen Sachsen langfristig wieder dorthin führen, wo es Anfang des 20. Jahrhunderts schon einmal stand.«

In einen Weltkrieg? In eine Revolution? An den Rand einer Weltwirtschaftskrise? Werte Präambelschreiber, learn2wiki!

»Damals gehörte Sachsen gemeinsam mit Böhmen und Schlesien zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen in Europa.«

Erfolge, die Hungerlöhne, Kinderarbeit, Ghettobildung in Ballungsgebieten und noch viele andere fässerfüllende Tropfen ausschwitzten.

»Daran wollen wir anknüpfen.«

Man darf gespannt sein.

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(17. September 2009, 22:31) - Null Reaktion

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»Kommentare gebe ich erst frei, nachdem ich sie mir durchgelesen habe. Das ist zwar sowas von uncool und altbacken, aber schont meine Nerven.«