Schnee im Sommer
Es gibt selbsternannte Antibürokraten wie F.Alfonzo, die der Meinung sind:
»Ein Verbot von Drogen ist Unsinn. Egal welche Droge.«
Denn Menschen sind allesamt stets zurechnungsfähig.
»Sofern ich noch Kontakt zu den Leuten von damals habe, rauchen sie heutzutage ab und zu einen Joint, hauen sich ab und zu Pilze rein… eigentlich ok, oder? Ich habe keine Angst, dass jemand von denen abstürzen wird (zu 95% Akademiker). Ich würde meine Kinder (sofern vorhanden) jedem dieser 4-5 Leute anvertrauen.«
Wenn das mal kein Beweis dafür ist, dass Drogen keinen umbringen, sondern erst die übermäßige Anwendung durch perspektivlose NichtakademikerInnen!
Auch Davids Glaube an den gesunden Menschenverstand ist stark:
»An der behaupteten Nutzerzunahme habe ich erhebliche Zweifel. Die Sorte von jugendlichen, die schon alleine die Überlegung "das hat der Staat verboten, das muß ich also sein lassen" dazu bringt, es eben sein zu lassen, wären vermutlich nicht gerade diejenigen, die sofort nach der Legalisierung als erste in der Schlange im Supermarkt stünden um sich die Dröhnung mit dem Zeug zu geben. […] Die sinnlos für die Drogenfahndung rausgeblasenen Summen wären in Entzugskliniken besser investiert.«
Ich weiß ja auch, dass der War on Drugs überzogen ist und Unmengen Steuergelder verschlingt. Aber ihn deshalb komplett aufzugeben und das gesparte Geld (plus diverse Drogenabgaben) in die Suchtnachsorge zu pumpen, ist gefährlicher Unsinn.
Das hieße nämlich, ein altes (Steuer-)Massengrab mit der Erde eines frisch ausgehobenen zu füllen, statt Perspektivlosigkeit und anverwandte Ursachen für Drogenmissbrauch nachhaltig zu bekämpfen.
Mal so ganz populistisch ins Web gefragt: Streben diese Gutgläubigen wohl auch die Legalisierung des Handels mit Atomwaffen, biologischen Kampfstoffen, oder gar *gasp* harter Kinderpornografie an, weil die Nachsorge der Schäden daraus die Menschheit vermutlich billiger käme?
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Die Zitate entstammen den Kommentaren zu Pure Spassguerilla im Dienst des Mitmenschen, einem Artikel des Antibürokratieteams.


Comment by jo@chim
Es ist schlechter Blog-Stil, Blogs für das haftbar zu machen, was Kommentatoren dort äussern.
Aber ok, im gegebenen Fall finde ich ja auch richtig, was David und Alfonzo geäussert haben.
Du machst einen Denkfehler bei Deinen populistischen Vergleichen Kollege Blutwurst: im Gegensatz zu ABC-Waffen (geht’s nicht noch ‘ne Stufe heftiger?) oder der Herstellung von Kinderpornographie tangiert der Gebrauch von Drogen nur die Addicts, nicht deren Umfeld
(in Fällen, wo er das doch tut, z.B. im Strassenverkehr, sind Ge- und Verbote IMHO durchaus sinnvoll).
Das ist für mich vorrangig übrigens auch keine Kosten/Nutzen-Erwägung, sondern ein grundsätzlicher Gedanke – “opferlose Verbrechen” gibt es nicht wirklich, sondern nur in der schmutzigen Phantasie der einzig wirklich gefährlichen Süchtigen: denen die nach Macht über ihre Mitmenschen dürstet.
Posted on December 14, 2008 at 14. December 2008, 17:12
Comment by henteaser
"Der Gebrauch von Drogen tangiert nur die Addicts, nicht deren Umfeld"? Ganz falsch. Zwei Gegenbeispiele:
Drunk Driving ist ein Fakt. Verbote hin oder her: Nur wenige hochpromillige Kraftfahrer fallen bei Kontrollen auf. Noch weniger durch üble Unfälle. Alle diese Menschen überschätzen sich (dank Alkoholeinfluss), obwohl sie im Alltag durchaus meist als normal oder besonnen gelten.
Jetzt könnte man sagen: Verbote nützen nichts, Aufklärung bringt sichtlich wenig und zuviele Nüchterne werden kontrolliert. Also lassen wir’s.
Das durchzuziehen wäre ein spannendes Experiment, welches durchaus mal in einem vorher ausgelosten Bundesland stattfinden sollte. Ich schätze, die Unfallrate würde steigen, wer wettet dagegen?
Beschaffungskriminalität betrifft ebenfalls mehr als nur den Süchtigen selbst. Sie entsteht nicht durch die Illegalität der Drogen, sondern deren Marktpreis. Und der wird sicherlich nicht runtergehen auf kleiner gleich Zigarettenniveau, falls Drogen legalisiert sind.
Merksatz: Sind die Mittel zum Zweck an jeder Straßenecke erhältlich, werden sie öfter angewendet als es sonst möglich/nötig wäre.
Ich bin (wir sind?) zu cool zum kiffen, koksen und Pillen schmeißen. Aber werden es sich unsere bisher abstinenten Mitmenschen auch weiterhin verkneifen? Oder werden sie bald auf Bahnhofsklos ihre Körperöffnungen gegen Entgeld feilbieten, weil regelmäßige Heroinkicks auf Dauer doch teurer sind als gedacht?
Posted on December 14, 2008 at 14. December 2008, 22:01
Comment by jo@chim
Hatte ich nicht geschrieben, dass im Strassenverkehr Verbote sinnvoll sind, IMHO?
Und
kann es per Definition nur geben, wenn die Droge illegal ist. Übrigens ist das Zeug auch ausschliesslich deshalb so teuer.
Vielleicht sollteste Dich mal tatsächlich mit dem Thema auseinandersetzen. Die Droge, der Staat, der Tod von Günter Amendt wäre vielleicht ne Empfehlung.
Posted on December 14, 2008 at 14. December 2008, 23:46
Comment by henteaser
Noch einmal: Nicht die Droge wird illegal beschafft, sondern das Geld für die Droge; ganz egal, wie teuer oder legal der Stoff ist. Das trifft andere Menschen.
Und noch einmal ausführlicher: “Der Begriff Beschaffungskriminalität bezeichnet kriminelle Handlungen zur Finanzierung von Betäubungsmitteln und ist damit Teil der Drogenkriminalität. Das klassische Beispiel sind Eigentumsdelikte wie Einbruch, Diebstahl, Raub, seltener Apothekeneinbrüche von abhängigen Drogenkonsumenten.” (via wiki)
Was lernen wir daraus? Es gibt weder Autodiebstähle noch Trickbetrüger, weil Autos und Geld legal sind.
Posted on December 15, 2008 at 15. December 2008, 7:23
Comment by henteaser
Auch deine Ausnahme von der Regel (Verbote im Straßenverkehr) hat den Haken, dass doch wohl gefragt werden muss, ob es nicht sinnvoller wäre, die Ausnahme zur Regel zu machen, sofern sie es nicht bereits ist.
(Wie? Wer? Was hab ich jetzt gesagt?)
Je nach legalisierter Drogensorte geben sich unterschiedlichste Geisteszustände die Klinke in die Hand: Halluzinationen, verminderte Reaktionsfähigkeit, Enthemmtheit, Schmerzunempfindlichkeit, Sarkasmus und hinterdrein noch Entzugserscheinungen und Flashbacks.
Die Konsumenten gewisser Drogen dürften nach Einwurf der handelsüblichen Dosis mehrere Stunden/Tage nicht mehr hinters Steuer bzw. als Radfahrer oder Fußgänger frei herumlaufen. Werden sie sich daran halten?
Im Unterschied zum potentiell tödlichen Geschoss Auto schränken Drogen die Wahrnehmungsfähigkeit richtig heftig ein. Während PKWs den Bedürfnissen der Fahrer/Insassen angepasst sind, zwingen Drogen ihren Konsumenten Verhaltensweisen auf, für die ihr Geist eigentlich nicht ausgelegt ist.
Ist es also nicht doch besser, das Zeug von potentiellen Konsumenten fernzuhalten, bevor sie im Rausch irgendwelchen gefährlichen Quatsch anstellen?
Posted on December 15, 2008 at 15. December 2008, 18:35