Leider löscht Twitter alle ans Ende durchgereichten Kurzmitteilungen und deshalb fehlen meine ersten Tweets; jene aus der Zeit, als ich mich noch nicht mit dem Prinzip anfreunden konnte und eigentlich nur kritisiert habe, was denn beispielsweise an der Beschränkung auf 140 Zeichen – vor allem bei deutschsprachigen Beiträgen – so nervt. Inzwischen geben sich auf meinem Twitteraccount Wortspiele, Zitate, Medienschelte und spätnächtliche Entgleisungen ein Stelldichein.
Doch genug der Vorrede! – Hier nun der erste von vermutlich noch vielen Monatsrückblicken, abgegraben mittels der Twitterbackup-Software Histwi, deren timeline-verstümmelnde Einschränkung leider ist, dass sie nur meine Diskussionsbeiträge aufzeichnet und nicht die Reaktionen bzw. Ausgangstweets. Man kann halt nicht alles haben.
Es empfiehlt sich übrigens, die Timeline unten anzufangen, weil sie einem Stapel Notizzettel ähnelt: je weiter unten, desto älter. Bis zum Beitragsende durchzuscrollen lohnt sich also. »»»
Mitten im zweiten Terrorhalbjahr 2010 äußere ich mich in einem »Art und Wiese«-Beitrag über die bislang in Deutschland (beinahe) verübten Anschläge auf eine Weise, die mich selbst verwirrt zurückließ. Was bin ich?
Das Ganze fing damit an, dass Jane in ihrem Blogpost (und wohl auch sonst) folgende Meinung vertritt:
»Für mich fallen unter Terrorismus jegliche Handlungen, die darauf abzielen, einem wie auch immer gearteten Gegner Schaden zuzufügen und in Angst und Schrecken zu versetzen und dabei Gefahr für Leib und Leben Dritter billigend in Kauf nehmen oder aber direkt gegen Menschen gerichtet sind.«
Für mich hingegen war Terrorismus zu diesem Zeitpunkt als eine Gewalttat größeren Ausmaßes definiert, die jedermensch fast jederzeit treffen kann – also z.B. ein Selbstmordanschlag auf dem (bzw. den!) Striezelmarkt. Nachts auf geschlossenem Gelände Bundeswehrfahrzeuge anzuzünden, wie das in Dresden geschehen und von Jane als ein potentiell menschenlebengefährdender Terrorakt angesehen wird, war meiner Auffassung nach am ehesten Sabotage. Denn beim Versuch, mich in die Denkwelt eines ‘Linksterroristen’ zu versetzen, fällt mir folgendes »Extremisten-Argument« ein:
»Wenn Brandanschläge auf Y-Busse Menschen gefährden, dann ist das eben so bzw. sind all jene selbst schuld, die diesen Job ausüben oder zu nah ans brennende Fahrzeug rangehen.«
Zusätzlich meinte meinte ich, dass es ja wohl einen Unterschied macht, ob Linksextreme einige Wertgegenstände zerstören oder ob Rechte Brandsätze in linke Wohnprojekte schmeißen, denn eine »Kaserne mit Brandsätzen zu verdrängen ist unmöglich – höchstens per Feuersturm. Auf diese Art Zivilcourage zu brechen ist hingegen leicht – das [von Mao übernommene] Motto lautet “Bestrafe einen, erziehe hundert!”«
(Ganz zu schweigen vom misslungenen Bombenanschlag auf den Dresdner Hauptbahnhof durch einen sächsischen Einzeltäter ohne Terrorcamp-Abschluss oder bekannte Agenda. Das war [und ist] für mich kein Terrorismus, sondern der Massenmordversuch eines Menschenfeindes.)
Hier ist mir dann aber aufgefallen, dass, egal, welche politische Hartlinie dahintersteht, zwar gegnerische Wortführer gezielt ausgeschaltet und nicht bloß die erstbesten Zielobjekte getroffen werden, der Anschlag aber einem verhassten Weltbild gilt, und er deshalb eigentlich jeden Anhänger dieses Weltbildes hätte treffen können. Ergo: diese Taten sind tatsächlich Terrorismus, weil sie eine große Anzahl Menschen bedrohen.
Soweit, so Erkenntnisgewinn.
Nun ist Jane aber, das schreibt sie auch so, eine Pazifistin: »Ich lehne nichts mehr ab als die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung von Zielen.« Darauf erwiderte ich:
»Also beispielsweise ‘Mit dem Geldbeutel abstimmen, ob ein Laden sich hält’ – oder wo beginnt für dich Gewaltanwendung? Gesellschaftlicher Druck ist immer gewalttätig, jede Stimme für DieLinke bedrängt andere Parteien usw.«
Und sie so:
»[E]s gibt […] auch einen Unterschied zwischen direkter (physischer) Gewalt, die gegen Leib und Leben eines Dritten gerichtet ist und somit seine elementaren Grundrechte tangiert, und indirekter, die ich eher als äußerlich errichteten gesellschaftlichen Zwang (z.B. Kaufverhalten usw.) bezeichnen würde. Letzteres stellt etwas dar, das in menschlichen Gesellschaften schon zur Regulierung des Zusammenlebens schlicht notwendig ist: Ich muss eine Entscheidung treffen, wo ich kaufe. Und ich tue das für gewöhnlich auf der Basis meines Weltbildes.«
Und sie hat wieder Recht, nur ist damit nichts bewiesen: wenn nämlich Armeefahrzeuge in Brand gesteckt werden, haben die Täter nichts gegen genau diese Fahrzeuge; ihre Gewalttat ist trotz genau bezifferbaren Sachschadens indirekt: der Anschlag ist Vergeltung für auslands begangenes Unrecht, soll den Krieg nach Hause holen und/oder ‘die Steuerzahler’ zum Umdenken anregen.
Soll heißen: Entweder enthält jede unserer Handlungen ein Quentchen Terror, oder wir können dieses Wort komplett aus unserem Wortschatz streichen und stattdessen klassische Tatbestände ankreiden: Brandstiftung, Vandalismus, Mord, usw. Dann kommen vor allem laut Unionspolitiker auch nicht in Versuchung, in jeder Handlung, die ‘grenzwertig’ oder ‘gegen die bestehende Ordnung gerichtet’ ist – etwa Sitzblockaden oder Großdemonstrationen – den Nährboden einer neuen RAF zu vermuten.
Zum Ausklang dieses Beitrages nur noch soviel: Die Motive linker Terroristen sind mir sympathisch. Linksextreme wollen eine bessere Welt erzwingen und toben sich an Machtsymbolen aus (die dann von Steuergeld nachgekauft werden), während lokal handelnde Nationalstolze durchs Wegmobben bzw. Terrorisieren von Weltoffenen und Andersartigen für sich und ihresgleichen national befreite Zonen schaffen.
Was bin ich nun? Ganz klar: ein Sympathisant.
Trinkoase heisst mindestens ein Geschäft in Dresden, weil wir alle es inzwischen gewohnt sind, dass die Namen diverser Sehnsuchtsorte für Werbezwecke benutzt werden. Es gibt unter anderem Sockenparadiese, Kaufländer und Wohnwelten. Oft widerspricht die Wortwahl der ursprünglichen Bedeutung: eine Oase der Stille etwa ist offensichtlicher Unsinn, da Wüsten weitaus geräuschloser sind als Kameltränken mit Marktplatz. Und wer seinen Laden also Trinkoase nennt, ist sozusagen dort angekommen, wo er losgelaufen ist.
In meinem kleinen Medienkonglomerat tut sich erstaunlich wenig. Und auch dieser Beitrag ist hauptsächlich Lückenbüßer für echte Neuzugänge. Nun ja, jedenfalls wollte ich dennoch schon längst mal jedes meiner eProjekte kurz vorstellen.
Da wäre zuerst einmal die Gruselgrotte der blutdurstigen Würste, in die ich irgendwann die relevantesten Beiträge aus dem geschlossenen Hosenstall des Todes-Blogspot-Weblog herüberholte, und in der ich mich über Staat, Gesellschaft, Killerspiele, schlechten Journalismus und was noch so anfällt, leerquatsche.
Zumindest theoretisch, denn inzwischen verbringe ich meine Freizeit mit henteaser.soup.io – einer Online-Combo aus Notizbuch und Ramschkiste -, lade Skizzen und Digitalfotografien bei Flickr hoch, und entlase mittels twitter.com/henscheck Wortspiele, Gesellschaftsgekrittel und Live-Filmkritik in die Welt. (Auf Soup.io befülle ich parallel dazu einige Gruppensuppen mit dem Besten vom Besten; z.B. mit Anleitungen zur Kunst.)
Doch zurück zu den ‘echten’ Webseiten:
Auf meiner Medienkritikseite Willscheck.de passiert annähernd nichts, auf dem dazugehörigen Willshort-Blog etwas mehr. Falls ich über Filme, (Sach)Bücher, Hörspiele usw. schreiben möchte, werde ich das im Idealfall dort tun.
Henteaser.de wächst gemächlich zu einer Sammlung von Ratschlägen zu Digitalfotografie, Bildbearbeitung, Ubuntutipps und Kunstprojektkram an. (Simple Digifoto-Ratschläge veröffentliche ich als Co-Autor von @denhartenwegs Digitalkamera-Guide.)
Und dann gibt es noch Unfassbar viele Inhaltsangaben, ein sach- und taschenbuchlastiges Inhaltsverzeichnis-Wiki, das wohl auch tatsächlich mit Inhaltsangaben befüllt werden könnte, wenn ich dazu Lust hätte. Mitmachen ist noch immer verboten, um meine Nerven zu schonen. Es ist auch lange kein weiteres Verzeichnis hinzugekommen, hauptsächlich trage ich Titel der Reclam-Universalbibliothek nach.
Könnte sein, dass ich einer der letzten deutschsprachigen Blogger (bzw. Twitteraner bin, dem dieses Szenario einkommt, aber:
Da die in Stuttgart zusammengezogenen Einsatzkräfte bereits beim Räumen und Absichern einer umstrittenen Baustelle derart überreagierten… Was würden sie da wohl erst veranstalten, wenn mehrere zehntausend wütende ALG2-Empfangende das Regierungsviertel belagerten?