Gruselgrotte der blutdurstigen Würste

Landunter in Dresden

Eine sehr offensichtliche Schlagzeile*. Denn erstens ist sie wahr, und zweitens ist ebenfalls wahr: Je abwegiger die Kombinationen aus dem in einer Überschrift präsentierten Fakt und dem Ort (bzw. der Person), umso mehr Publikum liest den Text. "Mann beißt Hund" und "Bill Kaulitz nackt" sind wohl Beweis genug.

(*Bei der Farbe des Wassers bieten sich übrigens ebenfalls Wortspiele an, die auf eine gewisse sächsische Landtagspartei abzielen.)

Doch genug davon und mehr rund um den dieses Jahr doch recht späten Start in den Dresdner Frühling.

Publikumsmagnet Überschwemmung

Da stimmte einfach alles und das lockte Touristen und einheimisches Publikum gleichermaßen. Unschlagbar die Kombination aus hohem Hochwasser, tollem Wetter, fotogener Altstadt und verkaufsoffenem Sonntag:

Wer sich an den aus der Sächsischen Schweiz heranströmenden braunen Fluten (Aha!) sattgesehen hatte, ging shoppen oder kaufte sich zumindest ein Eis. Und obendrauf wurde man auf der Brühlschen Terasse vielleicht noch von RTL interviewt.

Das freute die Händler, die Stadt, die Schaulustigen, die Straßenmusikanten und die Taschendiebe. Alles in allem war dieser Sonntag ein Ereignis, mit dem alle rundum zufrieden sein konnten.

Jedenfalls fast alle.

Denn die Fernsehsender hatten das Nachsehen: So ein Hochwasser ist nämlich (zumindest hierzulande) meist verdammt langweilig. Da raucht nix, da verreckt niemand und statt abgerissener Gliedmaßen sieht man höchstens mal feuchte Gummistiefel, schlammschippende Ostdeutsche und übermüdete THWerker. Ein Unterschied wie zwischen Schach und Boxen. Jedenfalls neuigkeitentechnisch her gesehen kannste das vergessen, Dresden!

Das mindeste wäre doch wohl gewesen, hätten sich plündernde, besoffene, rechtsradikale(!) Jetski-Banden am Fuße der Frauenkirche Hetzjagden mit der Wasserschutzpolizei geliefert.

Naja, noch ist das Jahr ja nicht gelaufen. Und eins ist sicher: Das Wasser hasst uns Menschen!

Keine Stichworte.
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(2. April 2006, 16:12) - Comments Off

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