Gruselgrotte der blutdurstigen Würste

Jugendschutz ist erste Ministerpflicht

Ein kleiner Ausschnitt aus der Pressemitteilung zur Innenministertagung in Wanzleben:

Die Unionsinnenpolitiker sprachen sich zudem für ein Verbot sowohl der Produktion als auch des Vertriebs so genannter „Killerspiele“ aus.

Wo werden denn in Deutschland Killerspiele produziert? Wie wollen die Innenminister gegen ihre Produktion vorgehen? Und, am wichtigsten: Wie sieht so ein Killerspiel aus, dessen Existenz deutschlandweit erschwert werden soll?

Die Video- und Computer­spiele stellen ein erhebliches Gefährdungspotential insbesondere für Kinder und Ju­gendliche dar. Die Innenminister stellten übereinstimmend fest, dass die im Jugend­medienschutz-Staatsvertrag vereinbarte Prüfung der Spiele durch die „Unterhal­tungssoftware Selbstkontrolle“ nur sehr mangelhaft funktioniert und nicht mit dem Jugendschutzrecht in Einklang stehe.

Kein Beweis, sondern eine ‘Feststellung’. Worauf fußt sie? Sind die Minister nur verärgert, dass diese Püfungen teilweise nicht die gewünschten Ergebnisse (USK18) gebracht haben?

Ein erhebliches Problem stellen zudem die virtuellen „Killerspiele“ im Internet dar. „Hier gibt es einen riesigen grauen Markt“, sagte Innenminister Bouffier. Experten erwarten in den nächsten Jahren zudem ei­nen erheblichen Zuwachs der Teilnehmerzahlen an diesen überaus brutalen Online-Spielen von heute 3,4 Millionen auf 30 Millionen im Jahr 2009.

Ein Problem für wen? Bei den Usern – auch Bürger genannt – scheinen diese Spiele gut anzukommen*. Vielleicht ist das ganze ja nur für den Staat ein Problem, weil er an diesem Wachstumsmarkt nicht genügend mitverdient. Gegenmaßnahme: Mehrwertsteuer auf Manna und Items.

(*Jaja, das muss nichts heißen.)

Innenminister Volker Bouffier: „Wir beobachten die zunehmende Gewaltbereitschaft gerade von Kindern und Jugendlichen mit großer Sorge. Deshalb muss konsequent gegen Spiele, die Gewalt in jeder Form verherrlichen, vorgegangen werden. Dazu sollte das Jugend­schutzgesetz insofern geändert werden, dass eine niedrigere Eingriffsschwelle, durch das Streichen des Wortes „offensichtlich“ jugendgefährdend, erreicht wird.

Als ob diese Spiele deswegen jugendgefährdender würden, als bisher. Mal abgesehen von der Unbewiesenheit des Zusammenhanges zwischen fiktionaler und realer Gewalt; ein alter Hut, der wohl nie aus der Mode kommt. Und überhaupt… Ist Jugendgefährdung eigentlich messbar?

Diese Spiele sind mit einem effektiven Jugendschutz schlicht unvereinbar.

Wie sähe er denn aus, dieser effektive Jugendschutz? Doch wohl wie ein goldener Käfig.

Mit geeig­neten technischen Maßnahmen, beispielsweise durch elektronische Filter, muss si­chergestellt werden, dass Minderjährige keinen Zugriff auf solche Spiele haben. Hier sind insbesondere die Provider gefordert, aber auch die Betreiber von so genannten Internet-Cafes.“

Sollense ruhig machen. Dann sind die Newbs halt ein paar Jährchen älter und gezockt wird erst am Arbeitsplatz und nicht bereits im Informatikunterricht.

Einhellig wurde die Bundesregierung gebeten, gemeinsam mit den Ländern auf Bundes- und europäischer Ebene in diesem Sinne tätig zu werden.

In diesem Sinne. Na viel Spaß noch, ihr ‘da oben’, bei dem Versuch, eure Felle am Davonschwimmen zu hindern.

» hierzulandeKillerbeitrag «
(9. March 2006, 17:12) - 3 Reaktionen

3 Reaktionen

Comment by Björn

Sollense ruhig machen. Dann sind die Newbs halt ein paar Jährchen älter und gezockt wird erst am Arbeitsplatz und nicht bereits im Informatikunterricht.

Kannste vergessen. Hier geht es nicht um Jugendschutz, hier geht es um das, was deutsche Politiker mit dem Internet immer gerne machen: Totalverbot. Da wird in Zukunft die Bundesregierung mit den ISPs reden und wer dann keine Ahnung hat, wie er sowas umgehen kann, kommt von Deutschland aus halt nicht mehr auf Seiten die “böse Spiele” besprechen oder anbieten. (Die Methode hat die NRW-Regierung ja schon ausprobiert.)

Das ist für die Politik ein netter Dreifachschlag: Jugendschutz, plus von der Boulevardpresse lobend gekrault werden, plus weiterer Zug vorwärts in Sachen Internetzensur/Einschränkung der Meinungsfreiheit.

Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass die Bundesrepublik einfach anfangen sollte die Länder zu erobern, die Killerspiele produzieren oder verkaufen. Das ist ein Übel, das wir an der Wurzel packen müssen…

Posted on March 10, 2006 at 10. March 2006, 12:10

Comment by henteaser

Ob das die Boulevardpresse freuen wird, wenn sie bald das einzige sittenverrohende, sexistische und gewaltverherrlichende Übel unserer freien demokratischen Republik ist?

Posted on March 10, 2006 at 10. March 2006, 12:27

Comment by Björn

Naja, gibt ja noch die Abifahrten nach Mallorca.

Posted on March 10, 2006 at 10. March 2006, 13:30

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