Ich sehe nur Standardmenschen
…, wenn ich Kataloge und Prospekte durchblättere. Außer natürlich, mit dieser Drucksache soll für Gleichberechtigung geworben werden.
Nicht ein einziger Kleidungshersteller wirbt auf Plakaten mit blinden Models. Kommt einem ja fast so vor, als würden die zwangsläufig ungepflegt aussehen, nur weil sie sich selbst nicht im Spiegel betrachten können, und müssten darum vor den Blicken der Konsumenten verborgen werden. Wenn das Klischee stimmt, dass blinde Menschen besser fühlen… Sollten sie dann nicht sowieso Rolemodels sein, für komfortable und gleichzeitig funktionale Kleidung?
Kein Möbelhersteller nutzt die Möglichkeit, auf Promofotos der neuesten Küchentischgeneration einen Stuhl wegzulassen, stattdessen einen Rollstuhlfahrer dort zu platzieren und so die Beinfreiheit (Unbeabsichtigtes Wortspiel!) hervorzuheben. Und, sagen wir mal, sonderformatige Menschen würden dem katalogblätternden Kunden doch den den besten Beweis liefern, dass dieses oder jenes Produkt wirklich universell einsetzbar ist.
Auch geistig behinderte Menschen liegen gern in Betten, ziehen stylische Hemden an (wenn auch nicht unbedingt selbst) und sind dazu in der Lage, Haushaltsgeräte zu bedienen. Doch darauf geht ebenfalls kein Werber ein, obwohl man mit solchen Fotostrecken seinen Auftraggebern menschenfreundliche Images verpassen, und gleichzeitig die narrensichere ungefährliche Bedienbarkeit von Spargelschälern, Mixern und Staubsaugern visualisieren könnte, ohne weit auszuholen.
Alles in allem gibt es meines Erachtens keinen triftigen Grund, die (Werbe-)Welt weiterhin den Durchschnittsmenschen anzupassen. Außer einen: Dass sich die barrierefreie Herangehensweise totspielt und letztendlich die ‘normalen’ Verbraucher in die Arme von Unternehmen treibt, die ‘Normal’ zum neuen Gegentrend ausrufen.
Und sowieso… Wer übel nimmt, dass Randgruppen durch die Werbemedien Gleichberechtigung erfahren, der soll sich ruhig zum Teufel scheren. Und hoffen, dass er nie von einer Bordsteinkante abrutscht, vor ein Auto stürzt und sich von da an mit geistiger oder körperlicher Behinderung durch eine übernormalisierte Welt bewegen (lassen) muss.
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Ach ja: Die oben genannten ‘Verwendungszwecke’ für alternative Models sollten nur regelbestätigende Ausnahmen sein und keine Freakshow. Es spricht nichts auf der Welt gegen Besonderheiten ohne Bezug zum beworbenen Produkt. Es wäre sogar besser, wenn Verbraucher nicht auf die Idee kommen könnten, das Produkt hat sein Model geschaffen. Wobei das natürlich auch ein interessanter Aspekt der ganzen Sache wäre.

