Gruselgrotte der blutdurstigen Würste

Hoppla, war wirklich nicht so gemeint

Wir steigen ein in die so gut wie leere Straßenbahn, gehen an einer Frau mit Kopftuch vorbei und setzen uns hinter sie. Und dann rümpft Margit die Nase und sagt: »Hier riecht’s nach Kotze.« Und zwar ziemlich laut. Und meinte wirklich den Geruch in der Bahn. Die Frau ist eine Haltestelle später ausgestiegen und ich konnte endlich lachen.

Und jetzt fühle ich mich relativ schlecht. Denn Margit hat sich keine Platte gemacht, weil es ihr überhaupt nicht in den Sinn gekommen ist, das die Frau den Spruch anders auffassen könnte. Ich hingegen habe sofort den beleidigenden Doppelsinn bemerkt und über die Peinlichkeit lachen müssen, weil ich häufig über Peinlichkeiten, Missverständnisse und Moralverstöße lache.

Wohlgemerkt über, und nicht mit Regelbrüchen; in diesem Fall also über den Gedankengang, der (hoffentlich) nur mir durchs Hirn blitzte. ‘Befreiendes’ Gelächter als Indiz für Selbstkritik oder so.

Ach ja: Margit meinte später, es wäre diskriminierender, wenn man sich mit Blick aufs Kopftuch – bzw. die offensichtliche Religionszugehörigkeit – der Frau jegliche Zweideutigkeit verkneift. (Wenngleich diese Art der Krisenvermeidung im Alltag auch oft zum Einsatz kommt.)

Politische Korrektness ist wirklich ein Minenfeld.

Stichwortsuche via Delicious.com
» hierzulande «
(3. January 2007, 18:13) - Comments Off

Keine Reaktion

Keine Reaktionen.

RSS feed for comments on this post.

Die Kommentarfunktion ist derzeit abgeschaltet. Bitte senden Sie Kommentare zu diesem Artikel an henteaser ETT web PUNKT de.