Anekdoten vom Job (Hosenstall des Todes, 14.05.05)
Letzte Woche bin ich mit der verwirrten kleinen Frau an der Hand wieder einmal unzählige Male aufgestanden und fünf Meter gelaufen – dann wollte sie umdrehen und sich zurück auf ihren Sessel setzen. Also habe ich ihr dabei geholfen.
Ab und habe ich vor dem Wandspiegel angehalten, der im Gang hängt und sie gefragt, wer das da sei. Einmal meinte sie “Das bist doch du selber.”… Und dass ich ihre Bluse anhabe. – Gut zwanzig Minuten später erklärte sie mir: “Das bist du. Und dein Sohn.”
Als ich sie gestern (mit Fingerzeig auf ihr Spiegelbild) fragte, wer dies ist, war ihre Antwort: “Na dein Onkel.” Hmm…
Der Frau, die den Gang langläuft, überreiche ich nun ziemlich regelmäßig Kekse oder anderes Naschwerk. Worauf sie sich dann häufig mit einem Knicks und fröhlichem Lachen bedankt.
Viele Bewohner(innen) des Seniorenzentrums sind nicht wirklich gepflegt (worden): Schuppiges Haar, schorfige Haut, splittrige gelbe Zehnägel, Mund- und Krankenhausgeruch; von Gicht und wasweissichwas verkrümmte Finger sind in diesen Kreisen normal.
Ästhetik ist relativ: Damenbärte und Orangenhaut sind garnichts im Vergleich zu Zehennägeln wie gelbem Schieferton, struppig-grauem Schamhaar und einem zwischen den faltigen Oberschenkeln verschwindenden Katheter.
Freitag, kurz vor Feierabend, half ich einer ‘Kollegin’ dabei, eine so gut wie bewegungsunfähige Frau richtig ins Bett zu legen. Da sagte diese ohne Vorwarnung: “Können Sie’s nicht beenden?” Und als wir verneinten, schlug sie vor, wir sollen sie doch einfach “in die Elbe werfen.”
Was soll man auf darauf erwidern? Wir rissen einen faden Witz. Etwas in der Art von “Naja, stellen Sie sich doch mal vor, wenn das jeder machen würde.” Trotz allem: Der Horror kurz vor Feierabend.
Wenn mir der Job bisher irgend etwas gebracht hat, dann die Bestätigung für die beinahe zum Klischee erstarrte Erkenntnis, dass man nur ein Leben hat und es auch sinnvoll nutzen sollte.
Die nächste Woche hat (‘GOtt’ sei Dank) nur vier Arbeitstage. Und endlich wieder Spätschicht. Da komme ich endlich mal wieder dazu, Reviews zu schreiben. (Soviel zum Thema “Das Leben nutzen.”)

