Alte Frauen (Hosenstall des Todes, 09.05.05)
Ich arbeite seit gut einem Monat (inkl. die Woche München) in einem Altersheim als Euro-Jobber. Hundert Stunden (von Montag bis Freitag immer etwa 5 Stunden) im Monat bekomme ich bezahlt… Das sind 130 Euro zusätzlich zum ALG-2. Doch ich will nicht weiter in der Wunde bohren, darum schnell weg vom Thema Entlohnung!
*themawechsel* — Ah, viel besser.
Die Bewohner des Altersheims (bzw. Seniorenzentrums) sind zumeist weiblich und durchleben diverse Stadien von Altersdemenz und anderen altersbedingten Leiden.
Eine Frau schlurft den Großteil des Tages den Gang auf und ab. Manchmal veralbere ich sie; hüpfe auf einem Bein neben ihr her, kopiere den silly walk oder probiere anderen Quatsch aus. Sie versteht sichtlich Spaß.
Die nächste ist unruhig. Von früh bis spät steht sie auf und setzt sich wieder und zieht sich ihre Wolljacke aus und an. Wenige helle Momente wechseln sich ab mit langen Zeiträumen, wo sie stumm dasitzt. Ich habe ihr heute ein Plüschtier überreicht, was gerade in der Sitzecke herumlag. Sie gab es mir zurück und meinte: “Das ist für Kinder.”
Eine andere kann nur noch brabbeln. Die einzigen klaren Worte sind “Ja”, “Nein” und “Mama”. Irgendwann wiedersprach sie mir mal mit einem deutlichen “Doch!” Ich hab’s bisher nicht wieder geschafft, dass sie dieses Wort sagt.
Eine weitere Frau kommt immer wieder auf ihre Eisdiele zu sprechen. Als sie noch ein Kind war, gehörte die ihren Eltern. Sie meint jedoch, dass ihre Familie noch immer ganz gut zu verdient mit dem Verkauf von Eis. Vorige Woche hat diese Frau die brabbelnde Alte angeschnauzt: Sie soll endlich Ruhe geben, denn sie ist ja nicht die einzige im Raum.
Der Frau, die manchmal vorm Fernseher sitzt, ist das Programm egal. Das hab’ ich heute gemerkt, weil ich ihr ein MotoCross-Rennen auf EuroSport angestellt habe und sie dabei eingeschlafen ist. Später dann hab’ ich umgeschaltet zu VIVAs: Retro Top 10. Endlich kenne ich das komplette Video zu Men at Work’s Land Down Under!
Als gerade die Bombay-Strophe kam, schlurfte die eine Bewohnerin mal wieder vorbei, blieb stehen, sah einen Moment lang zu, bezeichnete die alberne Dinge anstellenden Interpreten als “Besoffene” und setzte ihren Rundgang fort.
Ach ja: Letzten Freitag kam mir eine Bewohnerin entgegen, deren Gesicht beinahe wie das des Toxic Avenger aussah.

