Gruselgrotte der blutdurstigen Würste

Eindrücke von der zweiten Reise nach München (Hosenstall des Todes, 02.05.05)

Diesmal war ich etwas mehr als eine Woche (vom 23.04. bis gestern) dort unten und habe einiges erlebt.

Im Zug von Leipzig sitzt, schräg gegenüber, eine Frau. Sie liest ihre Zeitschrift von hinten. Also rückwärts. Bei Zeitungen kann ich dass ja noch verstehen, aber die mehrseitigen Beiträge… Da ergibt das Rückwärts-lesen doch gar keinen Sinn!

Kinder veralbern macht Fnu! Auch im Zug. Ich hab ‘nem (höchstens) 5jährigen Jungen, der mich nach dem Verbleib einer eben vorbeigelaufenen Frau fragte, erzählt, sie wäre aus dem Fenster geklettert und säße nun auf dem Dach. Falls sie friert oder herunterfällt: Der Pelzmantel, den sie trägt, schützt sie. Nur… Wenn sie wirklich vom Zug fallen sollte, muss sie auf den nächsten Zug warten.

Ankunft, abholen, Alltag und Scheisswetter.

Am Montag regnet es endlich nicht mehr ständig und ich gehe einkaufen. Wieder draußen aus dem Penny-Markt quatscht mich eine alte Frau mit Kopftuch und Damenbart an; will mir weissagen: “Zukunft, Freundin, Liebe…” will sie vorhersehen und ich antworte “Danke, hab ich schon.” und gehe weiter.

Weltstadt München, na vielen Dank. Die einzige Prominente, die mir über den Weg läuft, war Barbara Schöneberger, die sich wohl auf die Anmoderation eines Beitrages vorbereitet. Hmm… Hab sie mir größer vorgestellt.

Haufenweise Münzgeld geht drauf im Waschsalon, weil wir nicht wissen, wie und ob die Maschinen auch schleudern. Tun sie anscheinend nicht, da muss man wohl ne extra Maschine für nehmen. Der Trockner kämpft vergebens gegen die klitschnasse Wäsche an und wir müssen die Sachen dann doch im Zimmer aufhängen.

Duschen im Billigst-Wohnklotz ist nicht zu empfehlen ohne Badelatschen. Ich habe keine und deswegen trage ich Socken, um Pilzbefall zu vermeiden. Wir waschen uns gemeinsam in der Damendusche und es ist nicht wirklich erotisch oder sonstwas. Über unseren Köpfen traben die Gäste der Szene-Bar hin und her. Einige Tage später kehrt Margits Mitbewohnerin vom Duschen zurück und berichtet, dass jemand in die Männerdusche gekotzt hat. Hurra!

Dann waren wir auch mal in den Alpen. Mit der Chefin meiner Freundin. Über Oberammergau zu einem der Schlösser des verrückten, längst verstorbenen Königs. Dort gab’s wenig zu sehen. Hätte auch ‘ne Führung durch Pillnitz sein können. Aber die Berge sind schon beeindruckend. Ich hab Margit mit einem Schneeball beworfen.

Am nächsten Tag hab ich dann meine Geheimzahl vergessen und dreimal falsch eingegeben und im Affekt die Karte zerbrochen. Ging ganz leicht. Kein Wunder, dass mein Bruder so einen Verschleiß an Geldkarten hat, wenn er sie in einem biegsamen Portemonnaie UND seiner Arschtasche spazierenträgt.

[Ich hab heute vormittag eine neue Karte beantragt bei der Sparkasse meines Vertrauens. Der Spaß kostet 14 Euro und acht Tage Wartezeit.]

Am Sonnabend vor meiner Abreise waren wir im Olympiastadion auf einer DVD-/Filmkram-Börse. Nicht viel Brauchbares. Margit kaufte sich die deutsche Romper Stomper-DVD, auf der sogar ein Audiokommentar drauf ist. Sie sagt, die in London gekaufte DVD hat nichtmal Untertitel.

[Nur so am Rand - die "Features included" der britischen DVD: 'Trailer, Picture Gallery, 16 Chapter Points'. Seit wann sind Kapitel ein nennenswertes Extra?]

Wer braucht schon (hauptsächlich deutsche) Poster und schlecht verarbeitete Plastefiguren? Und da die angebotenen Filme entweder teurer als im Laden oder geschnitten oder nur auf Video zu ergattern ODER Pornos sind, ist unsere Ausbeute nur die eine DVD für (ich glaub) zehn Euro. Also eigentlich Sechzehn, wenn man das Eintrittsgeld dazurechnet.

Auf der Heimfahrt am Sonntag hab ich einen jungen Italiener(?) auf meinem Wochenend-Ticket mitgenommen und glatt vergessen, Geld zu verlangen. Aber er hat mir ein Schoko-Muffin abgegeben.

In Leipzig umsteigen in einen Regionalexpress, durch dessen Waggons das dumme Gegröle einiger Punks schwallt. Erster Mai, schon vergessen? Ich setze mich lieber unten hin, denn im oberen Abteil(?) schreien sie sich an und spielen Fußball mit Bierflaschen.

Hier unten wird meine Ruhe nur gestört durch eine Gruppe junger Lehrer, die sich über das (eben erst beim Umsteigen) gestohlene Portemonnaie des einen, sowie über Zugverbindungen, Ticketpreise und eine Französischlehrerin unterhalten, die wie Sechzehn aussieht. Der eine erzählt: “Sie stand mal vor’m Lehrerzimmer. Ich wollte schon fragen, wen sie sprechen will, da zückt sie einen Schlüsselbund.”

Zwei russische Rapper bleiben kurz neben dem Lehrertrio stehen und freestylen in ihrer Heimatsprache und verlassen das Abteil ohne ein weiteres Wort. Witzig: Sie tragen Wollmützen, der eine jedoch kein Oberteil.

Übrigens habe ich den ersten Band der Romanreihe, also Feuer und Stein, auf der Heimfahrt gelesen von Seite 400 an bis etwa zur Seite 698. Guter Schnitt.

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(4. July 2006, 20:59) - Comments Off

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