Gute Gründe dafür, die Verantwortung für die Erziehung der Kinder an den Staat abzuschieben
Zuerst einmal dürfte es so etwas wie ‘den Staat’ in Deutschland eigentlich nicht geben. Der Staat sollte hierzulande ein Synonym für seine Bewohner/Bürger sein; für die Gesellschaft an sich. Allein schon deshalb ist die Argumentation, es wäre schlecht, wenn die Mütter ihre Verantwortung für die Kindererziehung an den Staat abschieben, unbedacht.
Denn wohl jeder kennt Kinder, gegen deren Eltern ihnen die Gesellschaft nicht hilft und deren Alltag ein Pädagogenalptraum ist. Nicht nur aus den Medien, sondern manchmal sogar aus dem eigenen Bekanntenkreis. Da werden Säuglinge von überforderten Eltern totgeschlagen und Heranwachsende von der Verwandtschaft wegen solcher Kleinigkeiten wie Modegeschmack und sexueller Ausrichtung gemobbt oder von angetrunkenen Onkels betatscht. (Mal abgesehen von passivrauchenden Babies und anderen Kavaliersdelikten.)
Darum wundert es mich sehr, dass einerseits den Eltern abgesprochen wird, beispielsweise das Medienverhalten ihrer Kinder positiv beeinflussen und kontrollieren zu können*, andererseits jedoch bei der Diskussion ums ‘Abschieben’ in Krippe und Kindergarten die (jungen) Eltern plötzlich als die besten Erzieher überhaupt dastehen, mit deren Weisheit geschultes Personal mit langjähriger Erfahrung einfach nicht mithalten kann.
*(Die Argumente hier sind "Clevere Kids wissen, wie sie Kindersicherungen umgehen und hinter dem Rücken der Eltern an verziehendes Material herankommen." und "Wenn Eltern ihre Ruhe haben wollen, setzen sie ihren Nachwuchs vor den Fernseher.")
Überhaupt ist es schlicht und ergreifend fahrlässig, wenn Kinder allein durch die Eltern gesellschaftsfähig gemacht werden sollen. Denn auch hier gehen die Befürworter der klassischen Mutterrolle von Groschenroman-Erziehungsberechtigten aus, die mit ihrem Nachwuchs allerhand Kulturelles und Belehrendes unternehmen. Wenn alle Erwachsenen mit Kind gleichermaßen engagiert wären, bräuchte es hierzulande auch keine Schulpflicht.
(Die gab es übrigens auch in der DDR. Was sagen Sie nun, Herr Flath?)
Auch das Argument, dass ein dieses Landes würdiges Angebot an KiTa-Plätzen die Mütter zu Gebärmaschinen machen würde… Nein halt, das ist falsch ausgedrückt. Der Gedanke hinter diesem Ansatz ist ja schließlich:
Gäbe es genügend Kinderkrippen und -gärten, würde das Frauen dazu verleiten, Kinder zu gebären, diese wegzugeben, zurück an Fließband oder Schreibtisch zu eilen, und solange zu arbeiten, bis Monate später erneut die Wehen einsetzen und so weiter.
Ist schon witzig, dass dies ein Argument sein soll. Denn ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wozu die Frauen/Mütter dann überhaupt Kinder bekommen wollen sollen. Das bisschen Kinder-/Erziehungsgeld kann doch kein Grund sein. Schließlich haben sie ja ‘nen festen Arbeitsplatz, den sie nur zum Gebären verlassen müssten. Oder glauben Tagesstättengegner ernsthaft, Frauen würden sich irgendwann als staatlich gestützte Gebärmaschinen selbständig machen?
…
Wenn jede(r) für sich unkontrolliert Kinder großzieht, könnte es gut gehen; wahrscheinlich ist es aber nicht. Und miese Erziehende zu entlarven fällt schwer. Aber nur so lange, wie ihnen niemand auf die Finger und Methoden schauen kann.
Wenn aber Kinder zusammen aufwachsen, spielen und lernen dürfen, bereitet sie das ziemlich gut aufs Leben nach dem achtzehnten Geburtstag vor und schützt sie vor der Unfähigkeit ihrer Eltern. Ein Leben, das nach solch einer Kindheit sicherlich anders verlaufen wird als nach einer als verhätscheltes Butzibutzi / verzogenes Balg / ungeliebtes Straßenkind.
…
Hey! Wer hat da eben »Hitlerjugend« gesagt? Ich weiß doch selbst, dass es nicht immer von Vorteil ist, wenn die Mehrheit der Gesellschaft entscheidet, was gut oder schlecht für junge Menschen ist. Aber sofort mit dem Hitlerjugend-Hammer zuzuschlagen, ist auch nicht nett. Obwohl’s ein gutes Konter auf so ziemlich alle Konzepte ist, die aufs Gute im Menschen bauen.
Ich beispielsweise hätte Angst, dass mein(e) Kind(er) mit gesponsortem Spielzeug und einseitiger Fachliteratur zu Konsumsklaven, Stinos oder Mitläufern erzogen werden. Aber auch dagegen sollte man als mitdenkender Teil der Gesellschaft ja angehen. Man muss es nur halt und darf nicht nur drüber bloggen.


Comment by Anton
Blablagewäsch*
* [Text vom Blogbesitzer geändert]
Posted on February 25, 2007 at 25. February 2007, 20:58
Comment by Björn
Gnihihihi. Gut dass du die Kommentare wieder freigegeben hast.
Posted on February 26, 2007 at 26. February 2007, 1:05