Grund-Lage

Es war einmal… Ich wollte Kurzfilme drehen und Drehbücher schreiben, habe Fossilien gesammelt und schnitt »Buffy – Die Vampirjägerin« auf VHS mit. Doch nachdem ich anfing, den Grund meiner Tätigkeiten mit dem Sinn dieser Tätigkeiten zu verwechseln, fehlte mir für alle Interessen scheinbar die Begründung.

Denn wozu lesen oder schreiben? Wozu fotografieren oder Fotografien betrachten? Wozu zeichnen oder ein Musikprogramm bedienen, wenn es mich betäubt und vom Leben abhält, was auch immer Leben bzw. leben heisst?

Keine Antwort möglich, weil ich den Sinn des Lebens zu finden versuchte und meine negative Weltsicht mich überrollte. Also habe ich Dinge aufgegeben oder mich vor ihnen zurückgezogen, weil ich sie als Ablenkung und Quatsch auffasste – und schlimmstenfalls als mieses Geschäft, weil zB jedes Drehbuch dringend Konflikte und Feindbilder benötigt.

Dieser Rückzug vom Tun wiederum fiel umso leichter, desto weniger Gedanken ich mir machen musste um die mit dem plötzlichen Ex-Interesse verbundenen Kosten. Auf Vorrat getätigte Downloads? Weg damit! Auch, wenn es sich sichtlich nicht rechnete für mich, fiel der Abschied leicht: Wegen eines Computerspiels Hardware nachrüsten? Danke, aber nein danke: Andere Medienformate erzählen ebenfalls schöne Geschichten!

Habe ich Bücher mehr wertgeschätzt, als ich noch abhängig vom lokalen Buchhandel war? Kann eigentlich nicht sein, denn schon damals war ich parallel zum Taschengeldverbrauch für Datenträger ein eifriger Nutzer der Stadtbibliothek. Jedenfalls kam mein Interesse an SciFi und Horror so richtig in Schwung, als ich die Wunderwelt des Online-Gebrauchtbuchhandels entdeckte. Anfang des neuen Jahrtausends habe ich mit Ausbildungsgehalt, Schüler-BaföG und Arbeitslosengeld Booklooker leergekauft – und weitaus mehr zusammengerafft, als ich jemals weglesen konnte, bevor mir auch da die Sinnfrage den Spaß verdarb.

(Hinzu kommt, dass es niemals einen Mangel an Nachschub geben wird. Daher habe ich selbst viele gute Werke nach Erstkontakt abgeliebt und weggeschenkt. Nur wenige ‘Gelesen’-Kartons sind übriggeblieben. Hinzu kommt außerdem der Effekt, dass sich die Handlungen zwischen den Buchdeckeln irgendwann ähneln und ich nicht zwingend mit noch einer vor moralischen Dilemmata stehenden Raumschiffbesatzung mitfiebern muss.)

Der ganz langen Abschweifung kurze Aussage: Sinnsuche, Sinnstiftung, ist ein freudloses Unterfangen. Sofort kommen mir Gedanken an Totentanz-Holzschnitte und den Hitzetod des Universums.

Wenn ich mich jedoch mit der bloßen Begründung meines Medienkonsums (Konsum?) oder meines eigenen (Kunst?-)Schaffens zufrieden gebe, kehrt der Spaß zurück. Hier ist die Freude und Entspannung zu finden, die mir Lesen, Fotografieren oder Zeichnen bringt, denn ich kenne meine Gründe: Wissen und Wortschatz vergrößern, erdachte Welten erkunden und eigene Welten erfinden, vielleicht sogar ‘vergessene’ Werke entdecken und anderen in Erinnerung rufen.

Alles in allem: geistig tätig sein. (Und wer weiß… Vielleicht sogar Geld verdienen mit Dingen, für die ich einstehe.)

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