Gruselgrotte der blutdurstigen Würste

Funny Fact: Deutschland ist Weltmarktführer im Bau größerer Fahrzeuge

Jedenfalls begründete laut ZEIT der Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt mit diesem ‘Argument’ die Weigerung der deutschen Staatsmächtigen, so bald wie möglich den erlaubten Kraftfahrzeug-Schadstoffausstoß zu verringern.

Ist es nicht schön, wie der Präsident sich um die berufliche Zukunft seiner Arbeitnehmer sorgt? Da wird einem doch gleich ganz wohlig warm in der Atmosphäre. Schade, dass Hundt nicht auch erwähnen darf, welche größeren Fahrzeuge denn Deutschland zum Weltmarktführer machen.

Vielleicht ja diese Modelle:

Nee, natürlich bezieht sich sein Einwand auf die zahlreichen Monstertrucks LKW, für die Deutschland weltberühmt ist.

Zwar weiß ich nicht, wie genau sich Hundt den Zusammenhang zwischen Schadstoffarmut und Arbeitsplatzverlust vorstellt, aber ich nehme mal an, er weiß, wovon er spricht. Und auch, welchen Eindruck von Deutschland alle EU-Mitglieder durch seinen Einwand bekommen müssen. Nämlich, dass Deutschland (bzw. seine MächtigInnen) ein Weltranglistenplatz mehr am Geldbeutel Herzen liegt, als vorgelebte Umweltschutzbemühungen.

Anders kann man nämlich spätestens Hundts zweites Nullargument nicht verstehen, welches da lautet:

»Deutschland kann, obgleich schon Vorreiter beim Klimaschutz, nicht immer noch weiter nach vorne preschen.«

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(31. January 2007, 10:29) - 6 Reaktionen

6 Reaktionen

Comment by Marco

Zu diesem Thema möchte ich folgendes Beitragen: “Das Auto an sich fordert schließlich auch kein Menschenleben, der Aufprall des Kopfes auf die Frontscheibe hingegen schon.” sprach ein kluger Kopf. “Das Auto an sich verstärkt auch keinen Treibhauseffekt, der Besitzer durch dieses schon.” Warum sollen die Autohersteller, die mit ihren Cayennes und Maybachs nur eine Nachfrage befriedigen direkt verantwortlich gemacht werden? Gäbe es eine Interessenverschiebung in Richtung emissionsarmes Fahrzeug, glaube wohl, daß die deutschen Hersteller auch dort wieder Weltspitze wären. Hybrid ist ja schliesslich keine japanische Erfindung.

Posted on January 31, 2007 at 31. January 2007, 19:09

Comment by henteaser

Aber sicher sind die Hersteller schuld. Weil sie Umweltfrevel wie das SUV überhaupt erst auf den Markt bringen. Denn ohne ein Angebot an penisverlängernden, kleinefrauenfreundlichen Canyoneros gäbe es auch keine Nachfrage nach ebendiesen Statussymbolen.

Ich weiß schon: Das alles hat mit dem ach so martialischen Humvee/Hummer angefangen. Plötzlich wollte jeder Autohersteller ein Stück vom Kuchen abhaben und schiss ein weniger teures, weniger exklusives Konkurrenzprodukt auf den Markt. Waren es früher Cabriolets, so sind heute Großstadtgeländewagen der Trend. Rate mal, warum? Ich schätze mal, das hat etwas mit den verstopften Straßen, dem Lärm und dem Feinstaub zu tun.

Die Karren sind aus dem selben Grund ‘in‘, aus dem es hohe Zäune und Überwachungskameras sind. Statt etwas gegen die allgemeine Verdreckung und die UV-lastigen Hitzewellen zu unternehmen, schottet man sich lieber mit dickem Glas und Klimaanlage vor den Nebenwirkungen des Kampfes um die wirtschaftliche Weltspitze ab.

Wer braucht schon Veränderungen, wenn er sich selbst in einen sicheren Bau zurückziehen kann; in ein Nest, das in der Lage ist, knapp 300 km/h schnell an ungeschützten Mitmenschen vorbeizuziehen.

Gegen Lastkraftwagen habe ich kaum etwas einzuwenden. Die braucht der Mensch halt leider; die sind ein notwendiges Übel, die sich die Deutschen selbst ins Haus geholt haben, weil sie nicht auf globale Märkte und Billigpreise verzichten wollen (oder können). Geh mal durch die Obst/Gemüse-Abteilung eines Supermarktes… Das ist eine Weltreise, jede Fruchtsorte kommt aus einem anderen Land.

In ‘unserem’ Kaufmarkt wird Hirschfleisch angeboten. Aus Neuseeland! Wahrscheinlich, weil die einheimischen, von Kühlergrillen erlegten Viecher dem dresdner Durchschnittskunden anscheinend nicht ausreichen.

Und gestern erst habe ich Streichhölzer (die wir dank Holzofen noch brauchen) zurück ins Regal geworfen, weil die in Tunesien produziert wurden. Billig sind se, aber bestimmt auch unter entsprechenden Bedingungen hergestellt und angeliefert. Vielleicht sogar mit einem LKW aus deutscher Produktion.

Posted on January 31, 2007 at 31. January 2007, 19:52

Comment by irene

Aber natürlich schafft Luftverschmutzung Arbeitsplätze – hochqualifizierte sogar, in der Dermatologie, der Lungenheilkunde, der Krebs-Vor- und Nachsorge zum Beispiel. Also kräftig weiter Schadstoffe in die Luft pusten, damit die Ärzte nicht arbeitslos werden.

Posted on January 31, 2007 at 31. January 2007, 22:37

Comment by henteaser

Oha, stimmt, diese Nebenwirkung hatte ich ja total vergessen.

Posted on February 2, 2007 at 2. February 2007, 6:43

Comment by Marco

Das ist ein sooooo langes Thema…
Du hast gegen LKW nichts einzuwenden? Wir kämen locker mit geviertelter Anzahl an Schwerlastverkehr zurecht. Man könnte reichlich auf die Bahn verlegen. Zudem verdonnern die Großfirmen die Lieferanten dazu ihre Lagerhaltung zu übernehmen, indem sie JUST-IN-TIME liefern müssen. Somit hat ein Großkonzern praktisch keine Lagerhallen mehr zu unterhalten.
Vierteln? Was sag ich! Achteln!

Sicher stinkt der Ast auf dem ich sitze. Aber erstens sitze ich hier recht bequem und zweitens kann ich woanders auch nicht besser sitzen.
Manche Aussagen hier sind etwas zu leichtfertig getroffen…
Marxismus ist auch ein genialer Gedanke. Funktioniert leider aber nicht.

Posted on February 2, 2007 at 2. February 2007, 18:21

Comment by henteaser

Whoa, achteln würde funktionieren? Das wusste ich ehrlich noch nicht. Immer her mit den wichtigen Informationen, damit ich auch mal gegen Trucks wettern kann und nicht nur über die Protzkisten der mehr oder weniger Reichen.

Posted on February 2, 2007 at 2. February 2007, 20:34

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