Gruselgrotte der blutdurstigen Würste

Flaschensammeln ist Patriotismus

Vor kurzem habe ich irgendwo (Gar in der NEON?) ein Interview mit Leuten gelesen, für die es zum Alltag gehört, (Bier-)Flaschen aufzulesen und aus Müllkübeln zu wühlen.

Einer meinte in etwa: "Den Erlös spende ich Bedürftigen."

Okaaayyy…

Wieviele Buddeln wird so ein Sammler wohl pro Tag in einer nicht wirklich großen Großstadt wie Dresden finden?

Die Antwort: Wenn er mit seeehr offenen Augen durch die Stadt geht, pro Tag an die hundert Glasflaschen.

Natürlich nur unter der Bedingung, dass die Konkurrenz gering ist.

Und auch unter der, dass er den ganzen Tag unterwegs ist (und darum sicherlich arbeitslos).

Und auch nur, wenn die Fundflaschenanzahl (Super Wortwitz übrigens!) über die Woche verteilt relativ konstant bleibt und er sich nicht nur von einem Vogelwiesenevent zum nächsten Elbwiesenkonzert hangelt.

Wenn diese Voraussetzungen zutreffen und er hundert Flaschen beisammen hat, ergibt das den wunderbaren Betrag von… Acht Euro. Alle Achtung!

Das bedeutet: Zweifellos überweisen professionelle Sammler in ‘richtigen’ Großstädten wie Berlin täglich zweistellige Beträge auf Suppenküchen-Konten!

Die Kampagne Du bist Deutschland! hat (laut Jean-Remy von Matt) 35 Millionen Euro gekostet und Merkels Offener Brief zum Jahreswechsel 05/06 war dem Staat knapp 3 Millionen wert… Peanuts also im Vergleich zu den Beträgen, die täglich von fleißigen Flaschensammlern zusammengetragen und für soziale Zwecke zur Verfügung gestellt werden. Respekt!

Natürlich gebührt auch jenen Dank, die so selbstlos ihre Pfandflaschen dort zurückließen, wo sie den letzten Schluck tranken; ob das nun an der Bushaltestelle war oder im Stadtpark oder vorm Schulgelände.

Denn: "Image ist nichts. Durst ist alles. Du bist der Durst!"

*Nachtrag von 22:20 Uhr:

Die 35 Millionen sind, wie ChrisNUX anmerkte, nur virtuell. Von Matt schreibt: "Die großen Verlage haben Zeit und Raum im Wert von 35 Millionen Euro geschenkt."

Haben die ‘großen Verlage’ also auf Erlöse verzichtet, um die Kampagne anzubieten? Erlöse, die sie hätten spenden können? Wurden einfach ein paar tausend Meter mehr Papier durch die Druckmaschinen geschossen, die nun diesen Betrag ergeben? Oder was?

Wieviele (deutsche?) Bäume mussten sterben wegen dieser Kampagne?

Oh Mann, ich geb’s auf.


*Nachtrag vom nächsten Morgen gegen halb 10:

Natürlich muss es heißen: Flaschensammeln ist patriotisch.

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(23. January 2006, 21:13) - Eine Reaktion

1 Reaktion

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Posted on January 23, 2006 at 23. January 2006, 21:28

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