Gruselgrotte der blutdurstigen Würste

Deutschland wird wohl bald ein normales Land sein

…, meint Werner Sonne im Feuilleton des Deutschlandradio-Kulturteils und schreibt zu Beginn seines Artikels Auf dem Weg zur Normalität? über die schwarz-rot-golden beflaggten Deutschen:

Es ist fast so etwas wie eine Revolution von unten, vom Volk ausgehend, das sich nicht länger vorschreiben lassen will, ob und wie es seinen Patriotismus ausleben will.

[…]

Was hier rund um die Weltmeisterschaft aufgebrochen ist, geht viel tiefer. Der Zeitgeist verlangt neue Antworten auf Fragen, die bisher tabu waren. Patriotismus jedenfalls zählte 50 Jahre zu den Todsünden, und die simple Frage: "Darf ich stolz darauf sein, ein Deutscher zu sein?" galt als der ultimative Tabubruch.

Vor allem die deutsche Linke trifft deshalb die schwarz-rot-goldene Welle völlig unvorbereitet. Und sie reagiert reflexhaft.

[Hier folgen linke Grundgedanken zum Patriotismus.]

Für sich alleine genommen sind solche Sätze keineswegs falsch. Wir haben diese Vergangenheit, und wir haben keinen Grund, sie zu verdrängen.

Und dennoch erscheint dieses Mantra irgendwie hohl, klingen diese sprachlichen Stereotypen verbraucht, jedenfalls sind sie keine Antwort auf das, was sich gegenwärtig in unserem Land entwickelt.

Die deutsche Linke, um im Fußballjargon zu bleiben, gerät mit dem Pochen auf der Abstinenz von jeglichem Patriotismus zunehmend ins Abseits.

Andere, die durchaus ein Recht auf den kritischen Blick haben, sind da längst viel weiter.

Das Wörtchen "weiter" liegt mir schwer im Magen; auch ohne die nachfolgenden Meinungsausschnitte der drei Patriotismusbefürworter Charlotte Knobloch, Jürgen Klinsmann und Norbert Lammert.

Weiter…

Das klingt nicht so, wie es sollte. Das klingt nicht nach dem nächsten Schritt zur Grenzenlosigkeit der Erde, sondern nach der Rückkehr zum überschaubaren Weltbild der nationalen Identität.

Sonne soll mir doch mal bitte erklären, worauf genau die Deutschen stolz sein sollen.

Etwa auf die Typen und Tussen, die am Grundgesetz herumsägen und bürgerfeindlichen Unfug abnicken? Auf Prominente, die mit Fußball oder lauer Film- und Fernsehunterhaltung Geld verdienen? Auf die Gebühreneinzugszentrale? Auf die Glockenficker?

Sollen sie stolz auf ein Land sein, dessen ‘führende Köpfe’ gegen-, statt miteinander antreten, aus Starrsinn heraus Gesetze blockieren, und wehrlose Randgruppen für alles Übel dieses Staates verantwortlich machen?

Wäre es nicht viel besser, wenn der Deutsche an sich stolz sein könnte auf die Einhaltung inter-national gültiger Tugenden und das eigene Lebenswerk, statt auf Adi Dassler, Fips Asmussen und den Schwarzwald?

Anscheinend nicht.

Und mit normal meint Sonne letztendlich nicht viel mehr, als dass Deutschlands zukunftsweisendes Alleinstellungsmerkmal, Volk ohne Nationalstolz, (möglicherweise) bald verschwunden sein wird.

Zum Schluss noch einer dieser linken Sprüche:

Diejenigen Tugenden werden am lautesten gepriesen, zu deren Ausübung weder Gedankenarbeit, noch Energieentfaltung, noch Selbstüberwindung gehört, vor allem also diese beiden: Patriotismus und Gottesfurcht.

(Hinweis auf Sonnes Artikel via wasserstandsmeldung.de)

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(21. June 2006, 0:01) - 3 Reaktionen

3 Reaktionen

Comment by nordlicht

Zur Ausübung der Tugend des Patriotismus scheint ja nun aber gerade in Deutschland eine Menge Gedankenarbeit und Selbstüberwindung zu gehören, wenn man sich die aktuelle Diskussion so ansieht ;-)
Vielleicht wäre es ganz aufschlußreich, mal ein paar Leute zu befragen, WARUM sie sich deutsche Fahnen ans Auto oder ans Fenster machen.

Posted on June 21, 2006 at 21. June 2006, 8:09

Comment by Björn

Ich findett jut, datt man jegen die Arbeitslose ma’ vorgeht. Kennich aus’m Fernsehn, datt Gesocks. Die wollen nicht arbeiten. Alle 8 Millionen. Obwohl et soviel zu arbeiten gäbe. Spargelstechen oder Autobahnen bauen. Stattdessen lassen se sich vom Staat nen Palast in Florida bauen, während ich mich hier krumm mach. Und außer die Bild interessiert’s auch keenen.

Und watt machen se, wenn se mal ausnahmsweise arbeiten? Kommen mit ihren 1-Euro-Jobs und nehmen uns damit richtige Arbeitsplätze weg. Dann kannett natürlich auch passiern, datt bald richtige Deutsche arbeitslos sind. Genau datt will das Aso-Pack ja. Deutschland verrecke und so, statt Abends midde Flagge im Autokorso durche Innenstadt zu fahrn, die Schweinepriester. Tragen auch sicher alle Pizzafresser-Hemden, so wie der Ballack.

Nee, ich findett gut wenn der Reichsarbeitsdienst wieder einjeführt wird. Hauptsache die laufen auch mit Ketten am Straßengraben lang, die Verbrecher!


Ich raffe immer noch nicht, wie in einem Land in dem durch alle Schichten die Arbeitslosigkeit existiert, genau diese Gruppe von der Politik zum “Tätervolk” gemacht werden kann. Irgendwas läuft da doch nicht rund…

Posted on June 21, 2006 at 21. June 2006, 14:53

Comment by henteaser

Fehlen eigentlich nur noch aktualisierte Mathelehrbücher: Mit Aufgaben, die beweisen, dass jede(r) Arbeitslose soviel Unterstützung vom Staat benötigt, wie eine gesunde Familie.

Posted on June 24, 2006 at 24. June 2006, 13:50

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