Der Größte Schneider aller Zeiten
Helge Schneider gibt den Adolf Hitler und alle freuen sich. Aber warum eigentlich? Bestimmt nicht, weil Dany Levi versprochen hat, »die wirklich wahrste Wahrheit über den Führer« zu zeigen. Denn seine Komödie(?) kommt inzwischen schlicht und einfach viel zu spät.
Die Vorfreude lässt sich also nur mit dem Hauptdarsteller erklären, dem one and only Helge Schneider. Der, wenn ich an meine Erlebnisse während des Jazzclub-Kinobesuchs zurückdenke, vor allem Leute anlockt, die bei einfach allem lachen, was er sagt und macht. Und nicht etwa nur an den erkennbar lustigen Stellen der Schneider-Werke.
Ein pseudoelitäres Publikum, das insgesamt öfter über Schneiders Schauspiel lacht als mit ihrem ‘Idol’. Ein zitateklopfender Haufen Spacken, die jede Hitlerkarikatur beklatschen und sich darüber freuen, wie ein Massenmörder zum Dorftrottel verniedlicht wird. Ein Klientel, dass vor allem aus – -
[Hier könnt ihr euch euren eigenen Absatz vorurteilsbelastetes Studentenbashing von der übelsten Sorte hindenken.]
- – und zwar richtig, diese VollpfostInnen!
Fazit: Mein Führer werde ich mir schon des Publikums wegen unter keinen Umständen im Kino angucken. Vielleicht ja mal auf DVD. Oder im Fernsehen, zwei Monate nach dem Kinostart und umrahmt von NS-Zeit-Dokus auf allen Kanälen.


Comment by giant.braintrash
Also, ich hab den Trailer gesehen und kann mir schon vorstellen, dass Herr Levy einen guten Film zustande bringt.
Ich glaube auch nicht, dass Helge Schneider so spielen wird wie in seinen anderen Filmen – ihm ist diese Nummer glaube ich inzwischen selber zu blöd.
Naja, man wird’s sehen. Ich bestimmt auch im Kino.
Posted on December 21, 2006 at 21. December 2006, 13:46
Comment by henteaser
Au weia, nun weiß ich garnicht, ob der Text oben vermuten lässt, dass ich Schneiders Spiel schlecht finde. Denn ich fand ihn in Jazzclub und Praxis Dr. Hasenbein klasse.
Aber die Kombination aus Schneider und Volksempfängerstimme gibt mir schon zu denken. Meine Vermutung zum kommenden Film ist nämlich, dass Regisseur und Geldgeber auf einen fragwürdigen Trend aufspringen; die Hitlerparodie als Kanakisch für die gebildete Mittelschicht. Denn Helge und Adolf locken natürlich viele ins Kino, die ‘befreiend’ lachen wollen.
Fragt sich nur, wovon der Film Publikum und Macher überhaupt befreien soll. ‘Eier’ braucht man für eine Filmparodie auf die NS-Zeit jedenfalls keine, denn es drohen für Gelächter und Szenenapplaus weder Geldstrafe noch KZ-Aufenthalt. Als politisches Statement taugt die Erzählform auch nicht, denn dafür ist Hitler schon zu lange tot und die Gefahr einer Verniedlichung zu groß.
Warum also kommt nun noch so eine ‘Wahrheit’ ins Kino, statt eine (wahrscheinlich filmförderkosten-günstigeren) Dokumentarfilmreihe über Nationalstolze und andere Extremisten? Vor kurzem erst habe ich Praunheims Männer, Helden, schwule Nazis gesehen, und bin dafür, dass genau so das Böse entlarvt werden sollte. Und nicht sechzig Jahre später mit faulen Witzen auf Bartform und Tonlage.
Man könnte fast meinen, Hitler hätte sich bereits als Selbstparodie ausgelegt, weil er die Faszination seines leicht zu imitierenden Auftretens kannte. Wer über Hitler lacht, lacht mit ihm oder so. (vgl. auch Heino, Elvis, Kim Jong-il, …)
Posted on December 21, 2006 at 21. December 2006, 15:27