Datenspuren: Zensur und ziviler Ungehorsam
Ich besuchte heute zwei Datenspuren-Vorträge, die, weil ein anderer, der mich auch interessiert hätte, ausfiel, direkt nacheinander gehalten worden. Nämlich »Eine Zensur findet statt« und »Protest aus dem Netz«.
Im ersten wurde berichtet, in welchen Staaten derzeit welche Netzzensur-Maßnahmen laufen, und im zweiten wurden Möglichkeiten aufgezählt, zu verhindern, dass auch hierzulande (aus welchen Gründen auch immer) solche Methoden zum Einsatz kommen.
Beide Vorträge lieferten durchaus gute Überblicke über das jeweilige Teilthema. Schade nur, dass die jeweiligen Vortragenden nicht genügend auf die psychologischen (Langzeit-)Wirkungen von Unterdrückung eingingen, welche doch schließlich teilweise über Generationen hinweg stattfindet. Oder gar auf das Stockholm-Syndrom:
»Der maximale Kontrollverlust bei einer Geiselnahme ist nur schwer zu verkraften. Erträglicher wird dies, wenn sich das Opfer einredet, es sei zum Teil auch sein Wille, beispielsweise, da es sich mit den Motiven der Entführer identifiziert.«
Auch wurde übersehen, die Unterschiede zwischen echter Repression (z.B. bei Majestätsbeleidigungen) und freiwillig angelegten Scheuklappen ("Denkt doch an die Kinder!") klarzumachen.
Solche Querverweise hätten einiges dazu beigetragen, die hohe Leidensfähigkeit mancher Völker und die Protesthaltung in anderen Ländern zu verstehen. Und nebenbei hätten beide Vorträge aus mehr bestanden als nur aus (nützlichem) Faktenwissen in Listenform.


Comment by Jens Kubieziel
Vielen Dank für deine Kritik. Vielleicht werden wir deinen Punkt in zukünftigen Vorträgen mit einarbeiten.
Posted on October 5, 2009 at 5. October 2009, 12:10
Comment by henteaser
Und Danke an euch für den Vortrag, den ich ja, wie geschrieben, eher aus Versehen mitbekam.
Posted on October 5, 2009 at 5. October 2009, 13:16