Gruselgrotte der blutdurstigen Würste

Arbeitsbeschaffungsmaßnahme

Ich gebe es ja zu: Wir haben verdammt viele Johannisbeerensträucher im Feld stehen. Alle tragen Früchte. Und zwar verdammt viele im Quadrat. Und dies wiederum führt dazu, dass mich ab und an mal eine Kundin fragt, ob "man denn da nicht Arbeitslose reinschicken" könnte. Wäre ja schade um die vielen Beeren und so weiter.

Muss wohl so eine Psychotricksache sein. Da wächst etwas im Überfluss und schon denken die Leute: Das Zeug muss um jeden Preis abgepflückt (bzw. -gebrockt) werden.

Nur… Wer hat so viel Zeit? Die Fragenden jedenfalls nicht. Und gebrauchen können sie selbst, wenn überhaupt, nur wenige Kilo der "ganzen schönen Beeren".

Doch die Lösung für das vermeintliche Problem ist schnell gefunden. Die KundInnen erinnern sich, dass es ja nicht nur zuviele Johannisbeeren gibt, sondern auch zuviele Arbeitslose. Sie kombinieren: "Zwei Probleme mit einem Schlag gelöst, right?"

Wrong! – Die ‘Mehrfrüchte’ kosten unsere Firma kaum Geld, denn der Ertrag hängt von Sonne und Regen ab. Die zu Saisonende noch ungepflückten Beeren werden entweder von überwinternden Vögeln gefressen, oder aber fallen runter und düngen den Boden.

Und außerdem: Im nächsten Jahr könnte es ja auch so sein, dass nicht so viel rote Früchte im Gebüsch hängen. Also sind "weniger Sträucher" auch keine Option.

Wenn man jedoch Pflücker beschäftigte, die die Beeren abzupfen, wäre das Verschwendung von Geld und Menschenmaterial. Der Markt für Johannisbeeren ist gesättigt [schlechter Wortwitz], und mit Großmarktpreisen mitzuhalten ein Ding der Unmöglichkeit.

Interessant sind die möchtegern-klugen Überlegungen mancher Kunden aber schon. Denn sie offenbaren deren Einstellung zu einem der größten Problemchen unseres Landes.

Für sie muss die Lebenszeit der Erwerbslosen, dieser ach so bedauernswerten Gesellschaftsschicht, ohne Rücksicht auf Sinn und Nutzen mit bezahlter Arbeit gefüllt werden. "Schlimm, schlimm", finden sie nicht etwa die Idee, die sie eben laut ausgesprochen haben, sondern, dass all die schönen Beeren verkommen müssen.

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(5. August 2006, 10:08) - Comments Off

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