Gruselgrotte der blutdurstigen Würste

Apropos Welt

Die Welt hat mal wieder ‘ne Umfrage in meinen Briefkasten werfen lassen:

»Der Export boomt und Qualitätsprodukte aus Deutschland sind gefragt. Doch die weltweite Konkurrenz holt auf.«

So what? That’s Fortschritt, Baby!

»Was denken Sie persönlich [Wie denn sonst? Etwa unpersönlich?] über dieses Thema? Hat Qualität aus Deutschland noch eine Zukunft? […]«

Und was, wenn nicht? Ist es denn wirklich so schlimm, nur Nummer Acht der Weltrangliste zu sein? Anscheinend schon.

Nun ja, egal.

1. – Achten sie beim Einkauf bewusst auf Qualität aus Deutschland?
(Ja | Nein | Nur bei Lebensmitteln | Nur bei hochwertigen Gebrauchsgütern wie z. B. Autos)

2. – Sind Sie bereit, für Qualität aus Deutschland mehr zu bezahlen?
(Ja | Nein)

Eigentlich nur bei Lebensmitteln. Aber selbst da gibt es Ausnahmen: Gestern waren wir in einem Laden, in dem es nur Ökokram angeboten wurde. Perverse Preise, sag ich da nur. Hundert Gramm deutsches Dinkelknäcke für drei Euro und so. Was soll denn das?

Da verkneife ich mir dieses Luxusgut lieber und kaufe eine einzelne Banane. Die kostet mich etwa dreißig Cent, hat ebenfalls Ballaststoffe und macht noch dazu nicht die Zähne kaputt.

Außerdem… Was heisst denn eigentlich Qualität? Steigende Exporte sagen nicht viel über sie aus, sondern weisen auf das ‘beste Preis-Leistungs-Verhältnis’ hin. Und auch faire Preise sind kein Indiz für Qualität. Der Bauer kann es sich vielleicht auch erst dann leisten, Ungeziefer wegzuspritzen, sobald ihn kein Großhändler mehr bescheißt.

3. – Was verbinden Sie mit dem Begriff »Qualität aus Deutschland«?
(Zuverlässigkeit | Langlebigkeit | Innovative Produkte | Hohe Preise)

Uff, keine Ahnung. Ich wüsste nicht einmal, welche ‘deutschen’ Produkte ich täglich nutze.

4. – Sollte die Bundesregierung mehr dafür tun, Qualität aus Deutschland vor Billig-Importen zu schützen?
(Ja | Nein | Nur, wenn es sich erkennbar um Dumping-Angebote handelt)

Ja, klar. Am besten wird es sein, wenn das die Bundeswehr übernimmt.

5. – Wo genießt Ihrer Meinung nach Qualität aus Deutschland besonders hohes Ansehen?
(In Europa | In den USA | In Asien und China)

Seit wann ist das gefühlte Ansehen Deutschlands wert, beachtet zu werden, wenn aus Regierungskreisen verlautet, dass bereits die gefühlte Sicherheit der Bundesbürger nichts wert ist?

Ich persönlich meine übrigens zu wissen, dass die Australier auf Deutschland besonders große Stücke halten.

6. – Sollte die Bundesregierung Firmen, die überwiegend in Deutschland produzieren, steuerlich entlasten?
(Ja | Nein | Nur bei Abgabe einer Arbeitsplatz- und Standortgarantie)

Ja, äh Nein, ich mein’ Jein. Im Zweifelsfall sollten ebenfalls all jene Arbeitnehmer steuerlich entlastet werden, die den Lockruf des Goldes überhören und in Deutschland bleiben, statt sich ins Ausland zu verdrücken. Den Prekarianern hingegen sollte der Staat anderweitig unter die Arme greifen; sie beispielsweise mit Zuschüssen dazu bewegen, doch bitte D-Land den Rücken zu kehren.

Denn es kann ja wohl nicht angehen, dass Unternehmen, die sich mit Arbeitsplatz- und Standortgarantien an Deutschland gebunden haben, die Hände überm Kopf zusammenschlagen ob der Flut unleserlicher Bewerbungen.

Oder aber, der Staat macht es genau andersherum: Was die meisten Firmen brauchen, sind Drohnen, die für Kleingeld schuften und aus Angst vor Arbeitsplatzverlust ohne Aufpreis die wenigen noch verbliebenen Aufmucker rausmobben, die vermeintlich den Standort gefährden.

7. – Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass immer mehr deutsche Unternehmen im Ausland produzieren?
(Zu hohe Löhne und Gehälter | Zu viel Bürokratie | Zu hohe Steuern und Abgaben | Mangel an Fachkräften)

Mehrfachnennungen sind möglich? Okay, da kreuze ich ganz fix alle Antworten an. Nur, damit ich keine Stammtischparole vergesse. (Bonus-Nennung: Zu viel Respekt der Deutschen vor dem bißchen Restnatur. Als ob Genmanipulation, Atomkraft und undichte Ölleitungen per se schlecht seien.)

8. – Was muss getan werden, damit Qualität aus Deutschland auch in Zukunft einen guten Ruf genießt?
(Mehr in Bildung und Forschung investieren | Die Konsumenten besser aufklären | Unternehmen Standortvorteile bieten)

Die ersten beiden Punkte helfen schon viel. Vielleicht nicht unbedingt den Unternehmen, aber zumindest all jenen, die noch immer jede Scheiße fressen, die ihnen aufgetischt wird. Doch da ‘der Staat’ ja Spitzenreiter der wirtschaftlichen Entwicklung sein will, kreuze ich schweren Herzens den dritten Punkt an. Ich will ja fair sein.

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(18. November 2006, 15:36) - Comments Off

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