Abstrakte Gefahrenlage

Immer wieder wird in letzter Zeit betont, dass sich zwar nicht die konkrete Gefahr eines Terroranschlags auf deutschem Boden erhöht hat, aber dafür die abstrakte. Nur: Eine abstrakte Gefahr ist nichts weiter als eine Gefahr. Das vorangestellte Wörtchen abstrakt ist genau so ein unnützes Doppelmoppel wie das Adjektiv nass in "nasses Wasser".

Das wird klar, wenn man sich vor Augen führt, wie sehr Fußgänger tagtäglich durch andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden. Natürlich ganz abstrakt. Wären sie konkret gefährdet, würde man wohl von einer Bedrohung sprechen. Etwa wie bei einem kurz vor der Abholzung stehenden Hektar Regenwald.

Andererseits gibt es jedoch schon so etwas wie eine abstrakte Gefahrenlage. Im Vergleich zu ihren Geschwistern ist sie jedoch nicht wirklich beeindruckend.

Konkrete (Be-)Drohung:
Eine sprengsatzbehangene Terroristin steht auf dem Marktplatz, hält ihre finale Ansprache, während sie den Druck ihres Daumens auf den gut sichtbaren Auslöser immer weiter verstärkt. Zu diesem Zeitpunkt ist es egal, ob ihre Kleidung wirklich Sprengstoff enthält; unter Umständen wird nur selbstlose Zivilcourage Menschenleben retten können.

Abstrakte (Be-)Drohung:
(Vermeintliche?) Terroristen rufen kurz vor Schulbeginn bei der lokalen Polizeiwache an:

»Wir haben in einer Schule dieser Stadt ‘ne Bombe versteckt, die gegen Elf detonieren wird. Viel Spaß beim Suchen, thihi.« *klick*

Ziemlich abstrakt, das Ganze, denn die Bedrohung ist schwammig. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird nix passieren. Trotzdem müssen bis spätestens gegen elf Uhr die bedrohten Schulen geräumt und durchsucht werden.

Konkrete Gefahr/Gefährdung:
Es wird bekannt, dass es Terroristen gibt, die es auf Deutschland abgesehen haben. Zwar wurden schon einige Terrorzellen ausgehoben, aber aus gut informierten Kreisen hört man, dass noch einige Schläfer frei herumlaufen. Also gilt es, schneller zu sein und die Bösewichte und -wichtinnen abzufangen, bevor die (wieder) zur Bedrohung werden können.

Abstrakte Gefahr/Gefährdung:
Es ist bekannt, dass es Terroristen gibt, die es auf Deutschland abgesehen haben könnten, weil sich Deutschland am "Krieg gegen den Terror" beteiligt. Hier gilt: Eine Vermutung ist besser als gar kein Beweis.

Wer nun erleichtert ist, weil eigentlich alles beim alten geblieben ist an der Heimatfront gegen den Terror, sollte bedenken, dass es noch abstrakter geht; noch weniger bedrohlich. Doch auch mit den untenstehenden Gefahrensituationen lässt sich prima Staat machen und Sicherheitstechnik verkaufen:

Es ist bekannt, dass es Terroristen gibt, die es auf die westliche Welt abgesehen haben und die jederzeit fast überall zuschlagen können. Volksauge, sei wachsam!

Es ist bekannt, dass es (potentielle) Terroristen geben könnte und dass sie sich unauffällig verhalten, um ihr Ziel zu erreichen, denn das lehren uns Geschichte und Medienberichte. Man sagt außerdem, dieser Menschenschlag ist in der Lage, scheinbar harmlose Alltagsgegenstände in tödliche Waffen zu verwandeln.

Es ist bekannt, dass es Menschen gibt, die es auf die westliche Welt und ihre ‘unmoralischen’ Errungenschaften abgesehen haben. Es gibt immer Randgruppen, die für ihre Sache nicht nur mit Worten kämpfen. Nicht alle werden zu Terroristen, aber die meisten von ihnen sind in der Lage dazu, wenn sie nur wenig genug zu verlieren haben.

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One Trackback

  • By Bundesregierung versteht das Grundgesetz nicht auf netzpfade nerdkolumne on January 8, 2008 at 8. January 2008, 14:24

    […] Meine Interpretation des Gesetzestextes gestattet den Einsatz des BGS (oder mitlerweile Bundespolizei), falls die Polizei mit einer gesellschaftlichen Situation nicht zurecht kommt. Die Streitkräfte (Bundeswehr) werden nur im Zusammenhang mit Naturkatastrophen, oder Unglücksfällen erwähnt, dürften also eigentlich nicht zur (abstrakten) Gefahrenprävention eingesetzt werden. […]

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