Ich hörte, du magst Dresden?

Am 23.01.’09 las ich auf der Startseite Seite Eins der Dresdner freitagSZ-Ausgabe:

»Dresden präsentiert sich in Miniatur und voller Schönheit der 1930er-Jahre. […] Auf 6500 Quadratmetern sollen [laut des Fördervereins "Wunderbares Dresden"] mehr als 21000 Gebäude, Brücken, Straßen und Denkmäler im Maßstab 1:87 entstehen.«

Der Spaß soll »nach ersten Schätzungen« rund 50 Millionen Euro kosten und durch Spendengelder finanziert werden.

»Wer sein eigenes Haus in der Innenstadt im Modell stiften möchte, zahlt dafür etwa 500 Euro.«

Mal abgesehen davon, dass es dann wohl kaum ein Abbild des eigenen Hauses sein wird – von wegen Feuersturm und so …

Reichen Frauenkirche, Neo-Neumarkt, Gasometer-Panorama und Schloss nicht aus? Wurde etwa noch immer nicht genug Geld ausgegeben für ‘Attraktionen’ und ‘Touristenmagneten’, mit denen der Vergangenheit gehuldigt wird?

Und dann ausgerechnet die reichskristallenen Dreißiger aus dem Grab holen, auf dass dieses Großmodell den Einwohnern von heute, die keinen Bezug zum Stadtbild von damals haben, als maßstabsgetreues »Identifikationssymbol mit der Stadt« dient?

Hier drei Gründe, warum Bürger der Stadt die mindestens fünfzig Millionen Euro in kleine Häuserschluchten anlegen werden, anstatt das Geld den Flaschensammlern zu überweisen:

– Die Innenstadt wird jährlich weiter von Kommunismus- auf Kapitalismus-Chic umgestylt. Es wechseln sich Pseudo-Weltstadt und sandsteinerne Fotomotive ab. Die Unterschiede zur Ostchitektur: (1) Kein Asbest. (2) Panzerglas ist die neue Platte.

– Während kein Geld da ist, um die existierenden Brücken instandzuhalten, entsteht die Waldschlösschenbrücke – eine weitere Operationsnarbe im überschminkten und kaputtgelifteten Gesicht der Stadt.

– In den Satellitenstadtvierteln werden Plattenbauten weggerissen, weil die Leute lieber in neue Satellitenwohngebiete ziehen; Dresden, ein Hexenring.

Das alles und noch viel mehr geht in der echten Stadt vor. Kein Wunder also, dass vergangene Zeiten heraufbeschworen werden müssen, in denen zumindest mit der Architektur Dresdens alles in Ordnung war.

Um es mit den Worten Peter "Sächsische Zeitung" Ufers zu schreiben:

»Wird diese Idee Realität, so bekommt Dresden eine neue Touristenattraktion, die die Stadt dringend nötig hat. Genau diese Ideen sind es, die momentan gebraucht werden, um der Krise entgegenzuwirken. Wunderbares Dresden.«

Wir haben gehört, ihr mögt Dresden. Deswegen bauen wir ein Dresden in unser Dresden. Dort werdet ihr beim Stadtbummel stadtbummeln können.

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