Was denn nun?

In der diesjährigen März-Ausgabe des Dresdner CDU-Fraktions-Nachrichtenblättchens Einblicke berichtet Stadtrat Dr. Helfried Reuther vom Besuch der Frankfurt/Main-er Oberbürgermeisterin Petra Roth Folgendes:

»Frau Roth verwies auf Parallelen zwischen Dresden und Frankfurt: Zum Beispiel stehen Überlegungen zu einer verbesserten Mobilität im Widerspruch zu anderen Interessen und werden deshalb von einigen kritisch gesehen, in Dresden ist es die Waldschlösschenbrücke, in Frankfurt der Ausbau des Flughafens, beide Projekte befürwortet Frau Roth.

[…]

Ihr Rat an Dresden war, sich für die Bewahrung alter Bausubstanz einzusetzen. Was abgerissen wurde, ist verloren und kann nur unter großen Anstrengungen wieder errichtet werden. Es lohnt sich, das Gewachsene zu bewahren, um den Menschen im Zeitalter der Globalisierung das Heimatgefühl zu sichern.«

Man beachte:

1. Sie spricht laut Reuther von »anderen Interessen«, ohne auf diese einzugehen; die Mehrbelastung von Anwohnern und Umwelt wiegt ihres Erachtens vermutlich nicht so schwer wie die »verbesserte Mobilität« einer nicht näher genannten Personengruppe.

2. Die Proteste und Bürgerbegehren werden herabgewürdigt zur Randbemerkung, dass die Neubauten »von einigen kritisch gesehen« werden. Einige im Unterschied zur Hälfte oder gar Vielen.

(Übrigens: Sogar Viele können, je nach Themenkomplex, weniger als die Hälfte sein; viele Verkehrsunfälle beispielsweise.)

Jedenfalls »befürwortet Frau Roth« Waldschlösschenbrücke und Flughafenausbau gleichermaßen. Schlecht für sie, denn durch ihre zweierlei Maß macht sie sich unglaubwürdig.

3. Zumindest ist es unlogisch, dass sich die (Dresdener) Bürger »für die Bewahrung alter Bausubstanz« stark machen sollen, nicht jedoch für die Bewahrung der heimatlichen Natur. Wenn sie »Gewachsenes« sagt, meint sie Gebautes.

Aber was ist schützenswerter als ein verkehrsberuhigtes Elbtal? Mein heimatliches Gefühl für einen lärmenden Autobahnzubringer oder einem allen Klimaschutz-Erkenntnissen hohnsprechenden Flughafen hält sich in Grenzen.

Außer natürlich, mit »Heimatgefühl« meint Frau Roth etwas Positives. Weil: Das Wort Gefühl an sich ist wertfrei – auch Hass und Ohnmacht sind Gefühle.

Wollen Sie mehr wissen?

This entry was posted in hierzulande. Bookmark the permalink. Both comments and trackbacks are currently closed.
  • Gruselgrotte (Symbolbild)
  • Pages

  • Archives

  • Categories

  • Impressario

    P.V., Lübbenauer17,DD p_willscheckETTyahooDOTde