Ins Hirn geladen

In Ray Kurzweils Zukunftsprognose "Homo s@piens"* stellt eine imaginäre Leserin dem Autor verblüfft eine Frage, die in etwa lautet:

Also meinen Sie, irgendwann könnte ich mir sparen, Daten für Klausuren und Vorträge auswendig zu lernen, weil ich sie mir stattdessen auf ein in mein Hirn implantiertes Speichermedium laden kann?

Ganz genau, meint Kurzweil. Leider vergisst er, der Leserin eine simple Gegenfrage zu stellen:

Wozu sollte man im Zeitalter der Wissens- und Gedankenchips überhaupt noch Reden halten und (theoretische) Prüfungen absolvieren?

Schließlich bremsen ja nicht nur Aufnahmefähigkeit und -geschwindigkeit des Gehirns den Wissenserwerb, sondern auch die Art der Informationsvermittlung.

Gute Vorträge sollten beispielsweise nie überladen sein mit allzu viel Neuem. Problem hier: Das Publikum besteht aus Menschen, die entweder gelangweilt, interessiert oder überfordert sind. Was der eine nicht kennt, weiß der andere schon und der dritte weiß es besser.

Auch bezweifle ich, dass normal begabte Menschen Angaben aus Tafelwerken oder Lexika in kurzer Zeit fehlerfrei auswendig lernen können; höchstens für kurze Zeit. Denn um gesprochene und geschriebene Infos richtig zu erfassen, braucht es Geduld und Wiederholungen.

Sprech- und Lesetempo können nicht konkurrieren mit einem Direkt-Upload von Daten ins Langzeitgedächtnis. Also: Ja zum Fortschritt!

* Ray Kurzweil: "The Age of Spiritual Machines" (1999)

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