Immer die gleichen Sprüche

Die Haupterntezeit für Erdbeeren ist vorbei. Das merkt man nicht nur am schrecklichen Zustand der Durchschnittsbeere, sondern auch daran, dass sich die Standardfrage der Kunden gewandelt hat: Aus »Giabt’s scho Erdbeeren?« ist »Giabt’s scho Himbeeren?« geworden. – Und diese Frage beantworte ich mit einem Nicken und dem Lautwort »M-hm.«.

Befallene Himbeere

Ich habe einen Mund, aber ich darf nicht schreien. Zumindest nicht am Arbeitsplatz. Würde ich aber gern, statt immer wieder die gleichen Phrasen mit anderen Phrasen beantworten zu müssen. – Hier nur die Antwortsätze, die ich täglich gefühlte dreihundert Mal ausspreche:

Ja, schon. Aber es macht inzwischen mehr Arbeit, als Spaß.

Ja, das ist besser. Einfach mal kurz hier auf die Waage stellen.

Unten rechts, beim blauen Sonnenschirm.

In den hinteren Reihen, unten am Zaun. Am besten, sie gehen ganz nach unten durch bis zum Zaun und füllen ihr Gefäß erst auf dem Rückweg zur Kasse.

Die ersten beiden [Johannisbeer-]Reihen von rechts sind rot, die dritte und vierte Reihe schwarz.

Nein, tut mir leid. Das rentiert sich einfach nicht mehr, denn der Stundenlohn unseres [natürlich polnischen] Pflückteams würde über dem Erlös aus dem Verkauf vorgepflückter Erdbeeren liegen. Aber natürlich können sie selbst pflücken. Doch das ist kein Spaß mehr, denn die meisten Beeren sind entweder verschimmelt, verdurstet oder fleckig von Regentropfendruckstellen.

Ja, aber bei der Konkurrenz sieht’s mit Erdbeeren auch nicht besser aus zur Zeit.

Kein Problem, ich kann wechseln.

Wiederschauen.

Danke, ebenfalls.

Würde ich pro Standardspruch und nicht pro Arbeitsstunde bezahlt, könnte ich jahrelang von den Zinsen leben.

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