Red Nose Day (Hosenstall des Todes, 25.09.05)

Das Radebeuler Herbst- und Weinfest ist der letzte Scheiß in Tüten, wenn ich das mal so sagen darf. Und kostet sogar Eintritt!

Und wofür?

Damit man dann von massenhaft angeheiterten älteren Menschen und betrunkenen Teens und Twens durch den Stadtkern von Alt-Kötzschenbroda gespült wird?

Anscheinend.

Ich habe gehört, dass es jährlich auch Leute geben soll, die sich die Stempel, die ihnen die Rückkehr zum Fest erlauben, mit wasserlöslichem grünem Stift selbst malen und sich so wenigstens den (ich nehme mal an) viel zu hohen Eintrittspreis sparen.

Einmal auf dem Festgelände, am späten Samstagabend / früh in der Nacht zum Sonntag, gab es kein Zurück.

Vorbei ging es an Fress- und Saufbuden und den für solche Feste üblichen Ständen mit Waren ohne Bezug zum Thema der Veranstaltung.

Rund um uns herum Menschen, die (fast) alle eins gemeinsam hatten: Und zwar Bier oder fucking Federweißer im Kreislauf.

Denn egal, ob linke Gymnasiastin, Mittelschicht-Muddi und -Babbi oder kahlköpfiger Kleinstadtsprall… Die wenigsten kommen hierher, um den Herbst zu zelebrieren.

Wenn die beschwipsten Mittelalten, der mit Teelichtern markierte Radweg und das Riesenrad (a.k.a. Fratzenmagnet) nicht wären, könnte man das Fest problemlos in Bunte Republik Kötzsche umbenennen.

Wie mich doch unter dem Einfluss von Alkohol stehende Menschen, egal welcher Gesinnung, anekeln…

Den (sichtbar) Rechten verüble ich das Saufen nicht, denn sie haben einen Ruf zu verlieren.

Die (sichtbar) linken bzw. alternativen Kids und Genossen entpuppen sich dank Alkohol als tatenlose Schwätzer oder nickende Mitläufer.

Der Innenhof vom Noteingang (dem ‘brodaer Jugendclub) barst fast vor diesen Menschen, die nüchtern ganz okay und betrunken kaum zu ertragen sind.

Den ekligsten Anblick jedoch bietet die Elterngeneration: Zumeist Wendeverlierer, die endlich mal wieder ‘einen über den Durst’ trinken und kichernd uralte Witzchen reißen dürfen.

Raus aus dem Alltag, rein ins Vergnügen. Aber nur an bestimmten Tagen und mit Alk im Blut.

Die trinken nie genug, um wirklich besoffen / rattig / platt zu sein. Und wenn doch, wachen sie wahrscheinlich irgendwann am nächsten Tag gegen Elf mit pumpenden Kopfschmerzen im bekotzten Badezimmer auf. Im Idealfall neben ihren verkaterten Kids.

Diese Leute sind längst tot und wissen es nur noch nicht und haben aus Protest irgendwelche Scheiße gewählt.

Oh, fast vergessen: Es gibt ja noch Touristen, die sich von ihren bunten Reiseführern zum Weinfest locken ließen und nun ein Saufgelage unter dem Deckmantel von Tradition und Kultur erleben.

Entweder wussten sie es wirklich nicht besser… Oder sie waren nur zu faul, um gleich zum Oktoberfest zu fahren.

Alles in allem war es der würdige Ausklang eines tollen Tages.

This entry was posted in hierzulande, Hosenstall des Todes. Bookmark the permalink. Both comments and trackbacks are currently closed.
  • Gruselgrotte (Symbolbild)
  • Pages

  • Archives

  • Categories

  • Impressario

    P.V., Lübbenauer17,DD p_willscheckETTyahooDOTde