mimimi Kunst und Können blablabla

Seit zehn Jahren umkreise ich expressionistischen Linol-/Holzschnitt, Tuschkarikaturen und Gemälde der Neuen Sachlichkeit. Erneut und immer wieder Grosz, Meidner und die anderen. Genau mein Ding und ich trug dazu bereits vieleviele Bildbände durch Dresden, denn die hatten’s drauf!

Nur fehlen mir (sprich: meinem Können und meinen Erkenntnissen) noch immer die angemessenen Bildthemen für eigene Werke. Im aktuellen Sketchbook vorherrschen die abstrakten Linienmuster, unterbrochen vom schlecht abgekritzelten Januskopf-Holzkerzenständer sowie einem gleichfalls fürchterlich krampfigen CurtQuerner-Portrait nach dem Coverfoto auf dem Sonderheft mit Auszügen seines Tagebuches.

Meine Hand-Augen-Übersetzung ist schrottig genug, weil die Praxis (oder aber schlicht die Fähigkeit?) fehlt, Motive in Formen und Zusammenhängen zu sehen/erkennen. Noch nie habe ich fünfeinhalb Stunden mit dem Zimmermannsbleistift auf Packpapier gerackert.

*Das* ist das Übungsfeld, aber Ungeduld und Selbstzweifel sind groß. Abstraktes Gekritzel ist meiner Meinung nach Flucht, ist wirklich keine Kunst. Es ist auch nicht befreiend, weil ich damit weder Stress mindere noch Aussagen treffe.

Den leichtestmöglichen Lösungsansatz dafür glaube ich mir nicht und fürchte ihn gleichzeitig: Dass sich nämlich genau durch Aussagelosigkeit mein Gesamtwerk auszeichnen wird, und dass man all die Sketchbooks nach meinem Ableben flugs zum Recyclinghof fährt.

Die alternative, verstiegenere Erklärung: Flucht in die Inhaltslosigkeit aus Faulheit, denn ich weiß es besser und könnte es besser und mein Kopf rebelliert, weil er es gern ruhig angehen lässt. Denn allzu oft ist mir mein eigenes Schaffen viel zu billig und ich würde gern draußen am Elbhang an einer Naturstudie frickeln – wovor ich dann jedoch zurückschrecke und lieber Bordsteinkanten fotografiere. Genauso, wie mich die Vorstellung all der den Weg säumenden miesen Aktskizzen in die Arme der abstrakten Digitalkunst treibt.

Am unglaubwürdigsten scheint mir die dritte Möglichkeit zu sein: Jenes Fehlen jeglichen Inhalts ist Programm, ist systemkritisches Freispiel im Sinne von: »Hast du wirklich kostbaren Alltag vergeudet an so etwas?!« – »Ja, und ob!«

Mag sein, dass jede Erklärung teilweise zutrifft. Witzig ist außerdem: Fotografieren und Digitalkunst bringen mir enormen Spaß, solange ich nicht nach ihrem Sinn suche. Weil die Tätigkeiten so verflucht meditativ sind im Unterschied zum Frust einer vergeigten Zeichnung.

Wohin führt das, was ist zu tun? Man weiß es weiß es weiß es wirklich nicht.

»Man ist stets allein und immer allein und wird es bleiben. Es gibt Liebe, Umarmungen, rasende Minuten, heiße, flehende, traurige. Letzten Endes kommt leise das Alleinsein, und das Nichts umgibt uns wieder. Und so bleibt nichts anderes zu tun, als stets zu arbeiten, nichts als zu arbeiten. Denn nur dies bringt Erfüllung und sonst nichts.« (Curt Querner, 6.11.1950)

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