Ein Beitrag, verfasst zwischen Lesestapeln

Die Freude ist groß, wenn ich den letzten Überrest des alten Jahres zurückgebracht habe, wohin er gehört: in die SLUB und in die Stadtbibliothek.

Ausleihstopp und diesmal wirklich! Idealerweise natürlich gleich noch ein Durch-die-Regalreihen-flanier-Stopp, denn ich habe mehr in den eigenen Regalen, als ich benötige und jede dafür freigeschaufelte Minute zählt.

Meine SKD-Jahrescard läuft am 29.1. aus und auch das mag sehr gut sein. Zuviel Input, blabla, die alte Leier. Jedenfalls tu’ ich demnächst die SLUB-Bücher in den Rückgabeautomaten und das wird sich anfühlen wie wenn ein Schleifstein in den Brunnen fällt. Ballast abwerfen. Ab dafür!

Auch mal wieder Bücher wegschenken, die mir im Nacken sitzen. Zu viele Vildungsangebote und Zeitfresser. Wobei ich mir da sofort den Kopf darüber zerbreche, wo ich die alle am Gewinnbringendsten hinverklappe – also, im Sinne von: Wem nützen die mehr als mir?

Umsonstladen zum Beispiel ist die gute Adresse, während die Buchschränke so ein bisserl wie “Das vergammelt dort” wirken. Schade drum, insofern ich für viele von denen irgendwann mal Geld ausgegeben habe, es ist schrecklich. Hätte ich eine anständige Privatbibliothek, käme mir der Überbesitz weitaus weniger nutzlos und bedrückend vor.

Richtig hart wäre, meinen schon lange schwelenden “zehn Bücher”-Ansatz hemmungslos umzusetzen und sämtlichen Überschuss rauszukannten. Mit der Begründung, dass es höchstens zehn beispielhafte Werke braucht, um alle Spielarten eines Kommunikationsmittels abzukapieren oder abzuleiten.

Denn es gibt halt nur soundsoviele Erzählarten, aber von jeder hunderte »weltbeste«, so dass man eigentlich aus dem Lesen nie mehr rauskommt. Warum also nicht stattdessen *ein* beeindruckendes Werk im Schrank stehenlassen und den Rest nimmermehr auch noch lesen oder auf den Lesestapel legen?

Vor allem: mein Weltbild und meine Weltsicht arbeitet sich an den Fiktionen ab, aber nur noch größtenteils im Sinne von Abgestoßensein und Bestätigtwerden. Höchst selten durch echtes Neuentdecken oder wahre Erleuchtungen.

Stets tendiert der Kopf zu “Z ist wie X trifft Y” und ahnt, weiß bereits, worauf’s hinausläuft. Plottwists werden eben erwartet, obgleich man dann doch immer wieder mal kurzzeitig überrumpelt wird von den Autoren. Im Großen und Ganzen jedoch ist es schemenhaft.

Der Verzicht auf Neuzugänge, das Immerwiederlesen weniger Werke ist insofern meiner Meinung nach kein Gedanken-Inzest, sondern permanentes Gespräch zwischen Werk und Erfahrung.

Selbst zehn Werke sind vllt. noch zu hoch gegriffen, so gesehen. Aber zehn ist ein Anfang. Das heisst ja nicht, dass ich auf’s Nach-Neuem-Umschauen, auf Gespräche, aufs Leben verzichte.

Ich glaube, Lesen und das Übrige ist die Suche nach Gleichgesinnten. Und von denen gibt es, durch die Weltgeschichte verstreut, eine Menge. Nicht einmal zwingend Vorbilder, sondern Menschen, die “es” ebenso sehen/sahen und die ihr Handwerk beherrsch(t)en. Bis zu einem gewissen Grad darf deren Weltsicht zwar anders sein, aber bitte nicht völlig meiner Sicht auf die Dinge zuwiderlaufen.

Eine diese Regel bestätigende Ausnahme sind sogenannte “hate-reads”, die meiner Weltsicht in beleidigendem Maße widersprechen, aber dennoch irgendwie zB durch Wortgewandtheit oder aber gerade des Fehlens derselben erst interessant sind.

Kurzum: Es bringt Spaß, sich an ihnen abzuarbeiten trotz der induzierten Fremdscham beim Lesen eines Textes, der ausgesprochen krude oder wirr oder selbstentlarvend ist. Man selbst weiß es besser, man selbst beherrscht das Handwerk besser.

Gilt das Gesagte für Sachbücher und Biografien? – Interessante Frage, skrupelhegender Verstand! Nein. Jedenfalls vorerst nicht.

(Wobei es wiederum Menschen geben soll, die Rockmusiker-Biografien lieben, obwohl die allesamt parodierenswert ähnlich verlaufen mit schlechtem Elternhaus und Drogenentzug und Kollegenschelte und sowas. Ich hingegen lese Zeitzeugnisse von Künstlern mit Dresden-Bezug; Griebel, Querner, L. Richter, Kügelgen, Grosz, um nur viele zu nennen.)

Bildbände kann man immer ausreichend haben. Ein einziger, würdiger Nachdruck des Dürer-Kupferstichs “Ritter, Tod und Teufel” macht drei Regalmeter Ausstellungskataloge überflüssig. Wie soll man sich in etwas wirklich vertiefen können, während um einen herum die Lesestapel bedrohlich kippeln?

This entry was posted in Produktpalette. Bookmark the permalink. Both comments and trackbacks are currently closed.
  • Gruselgrotte (Symbolbild)
  • Pages

  • Archives

  • Categories

  • Impressario

    P.V., Lübbenauer17,DD p_willscheckETTyahooDOTde