Implosionstechnokratie

Zwei Neuschwabenlandtreffen-Vorträge von Dr. Axel Stoll hatte ich neulich auf der Heimfahrt im Ipodshuffle. Das war ein unglaublicher Erkenntnisgewinn. Wusstest ihr beispielsweise, dass die Vril-1 zu hundert Prozent weltraumfähig war?

Aber ernsthaft wusste ich nicht, dass das Flugscheibenwissen damals von Aldebaran gechannelt wurde durch ein Medium in SS-Festanstellung – und also wohl doch kein reineweg deutsches Ingenieurswissen war, was mich verblüfft hat.

Ich mein’: wo da wohl der Punkt ist, ab dem man sich selbst bei einem NSL-Treff nicht mehr aufzumucken wagt und stattdessen einfach wegbleibt? Oder ab welchem Punkt man eben mitgeht mit jeder noch so von außen betrachtet obskuren Idee, weil wennschon dennschon und weil eh alle Schulwissenschaft gelogen ist?

Bislang dachte ich nämlich, dass der verschwörungstheoretische Konsens wäre: die Amis und Russen haben “unser” Wissen rausgeschleppt nach Kriegsende, um es entweder als wissenschaftliches Gefahrgut in Geheimarchive zu verklappen oder aber es eiskalt zu stehlen.

Ab wann also kam die Ebene mit den außerirdischen Ariern hinzu und war sie wirklich notwendig? Allein schon, welches Vor(halb)wissen da nun vorausgesetzt und welch weithergeholte Faktoids da kombiniert werden müssen. Doch vermutlich steigert jeder Knoten im Erzählstrang die Mächtigkeit des Geheimwissens und des Insidergefühls bei den Glaubenden.

Vor etlichen Jahren las ich zum Spaß das “Magazin für spirituelle und parapychologische Themen” Magazin2000plus. Die dort immer wieder rekombinierten Eso-Tropes haben mich sehr fasziniert damals und daher verstand ich überhaupt halbwegs, was Dr. Stoll vortrug.

Wie es wohl ist, in einer Welt zu leben, wo jeder esoterisch angehauchte Splitter zum selben, vor Äonen zerschlagenen Welterklärungsmodell gehört? In einer Welt, in der die wichtigsten Beweise nur als Kopie von der Kopie existieren, weil die Originale ausgelöscht oder schlichtweg als Humbug diskreditiert werden?

Noch mal: ich hatte angenommen, Dr. Stoll wäre ein simpler VTler gewesen mit der Auffassung, dass die Nazi-Ingenieure damals nur eben nicht früh genug fertig geworden sind mit ihren Wunderwaffen. Dr. Stoll ging jedoch bis Atlantis, Mesopotamien und in die indische Götterwelt zurück in seinem Vortrag und bezeichnete Verbrennungsmotoren als satanisch. Ich war beeindruckt.

Spätestens die Aldebaran-Connection ist unglaublich. Mir ist’s jedoch bereits unverständlich genug, dass die Nazis ihre Wunderwaffen nicht im Blitzkrieg nutzten. Denn zwar beschrieb Dr. Stoll missglückte Versuche und Testflüge, wohl um Realismus reinzubekommen, doch er schilderte drei Absätze später mehrere Erfindungen von unglaublicher Macht, die bereits vor Beginn des 2. Weltkriegs wenigstens als Prototyp existierten. Nie im Leben wären die *nicht* eingesetzt worden gegen die Alliierten.

Um dieses Logikloch mit beschwichtigendem Technobabble zu füllen müsste ich wohl weitere einschlägige Vorträge hören und Webseiten besuchen. Alles in allem ist’s offensichtlich Quatsch mit Soße, aber auch mit Suchtpotential.

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