Filmischer Unterbau am Praxisbeispiel

Einer der besten Filme über den Holocaust stammt von Steven Spielberg. Zwar ist der Film sehr unausgewogen und weist verstimmende Logiklöcher auf. Doch jede Szene für sich genommen ist eine perfekt umgesetzte Vignette des Schreckens. Dieser Film ist, ihr ahnt es bereits: “Krieg der Welten”.

Von “Schindlers Liste” ist mir einzig in Erinnerung geblieben, dass Schindler zu Filmende hin bereut, nicht auch seine Limousine verkauft zu haben, um vom Erlös weitere Menschenleben zu retten. “Krieg der Welten” hingegen will mir insgesamt nicht aus dem Gedächtnis, obwohl ich ihn wie gesagt von der Handlung her sehr unglaubwürdig finde.

Schon allein, dass Tom Cruise die erste Angriffswelle überlebt, während um ihn herum das Ladenviertel in Scherben geschlagen wird und Menschen zu Asche zerplatzen, ist hanebüchen.

Oder später, als die in die vermeintliche Sicherheit ablegenden Fähren von außerirdischer Hochtechnologie versenkt werden.

Oder noch später, als sich die Kleinfamlie im Keller einer Ruine verbirgt und ein durchdrehender Charakterdarsteller sie beinahe alle verrät.

Oder fast ganz zuletzt, als die Außerirdischen die wenigen noch überlebenden Menschen in überfüllte Transportgeräte stopfen, um sie wie Vieh aufzubrauchen.

Alles in allem: Dass diese Familie stellvertretend für uns Zuschauer nicht nur durch die Hölle geht, sondern sogar mit einem Happy End belohnt wird – nämlich der Ankunft in einem unzerstörten New Yorker Altbauviertel bei der Kindsmutter – konnte ich bei der ersten (und bislang einzigen) Sichtung dieses Filmes nicht akzeptieren.

Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, wie lange mein Groschen gerollt ist, bis er endlich fiel. Damals war ich wohl noch unbedarft genug, um diesen Dystopie-Blockbuster als rein zeitgenössische Umsetzung der gleichnamigen Romanvorlage misszuverstehen.

“Krieg der Welten” bleibt ja schließlich auch stets nahe an Wells’ Geschichte. Das ist verblüffend, aber auch die beste Tarnung, und ein direkter Vergleich zwischen Original und filmischer Umsetzung lohnt sich. So zum Beispiel ziehen die Angreifer wie eine Sturmfront heran und sind blitzartig da.

Fußnote mittendrin:
Vermutlich habt ihr alle bereits davon gelesen, dass Spielbergs “Jurassic Park” als Horrorfilm für Männer inszeniert ist? Vom Sicherheitsgurt im Hubschrauber über den geopferten Ziegenbock und die jeepzerstörenden Dinosaurierinnen bis zum Dilophosaurus – einer schleimspuckenden Vagina dentata – ist alles auf maximalen Symbolgehalt angelegt. Welches Ex-Kind erinnert sich nicht mit wohligem Grausen an das Versteckspiel in der Küche, bei dem sich die Raptorin von einem Spiegelbild täuschen lässt?

Übrigens habe ich bei meiner Erwähnung von “Schindlers Liste” unterschlagen, dass ich von diesem Kostümdrama nur wenig mehr sah als eben jene Szene mit der Pro-Kopf-Rechnung. Eventuell sollte ich mal in der Wikipedia nachschlagen, wie sehr sich “Krieg der Welten” und “Schindlers Liste” ähneln. Zumindest ist Polanski’s “Der Pianist” eine ebenso hanebüchene Dystopie.

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