Alltag eines lächerlichen Menschen

… basierend auf Tagebucheinträgen.

23.3.:
Nächtliches Glastür-Einschrauben. Fühlt sich gut an, Handwerk zu tun, aber eine Vitrine mit gläsernen ‘Einlegeböden’, ihre Glastüren und ein Klappstuhl sind eine Kombination, die wie das Setup zu einem Todesfall aus “FINAL DESTINATION” wirkt.
Was mich daran erinnert, meine Furcht vorm worstcase und evil dead zu überwinden. Risikoabwägung, schön&gut, aber man stirbt nur einmal. Da kann es auch aus Sorglosigkeit sein.

29./31.3.:
Der Monat März (in Worten: MÄRZ!!) ist fast durch und bis auf einige Fotos hab ich hier nix getan an ‘greifbarem’ Fortschritt bzw. Output. (Tweets kann ja jeder schreiben!)
Und ich kann auch nicht auf irgendwas Geheimes verweisen.
Musik stockt, Zeichenkunst stockt, Lebenslauf ist beim alten und im Privatleben ist auch nichts am Start. Suche nach der eigenen Stimme, ohne zu wissen, ob die überhaupt etwas Spannendes zu sagen hat.

1.4.:
Stellt sich raus, dass mein Aprilscherz heute war, ich würde Arbeit suchen oder sogar finden. :(

4.4.:
Alfred Polgar’s Geschichte “EIN SPASSVOGEL”: ein Mensch erlaubt sich den scherzhaften Griff in die Kasse, um zu zeigen, dass Diebe leichtes Spiel hätten, weil die Verkäuferin so unachtsam ist, wird erwischt, abgeführt, weggesperrt – und erhängt sich, verzweifelnd am zerschmetterten Weltbild und den bösen Blicken und Anschuldigungen der Dorfbewohner, die seinen Spaß nicht als solchen erkannt haben.
Sowas triggert mich hart, weil ich auch gern unbedarft wäre. Aber wenn das dann so endet? Es ist eben mein Thema: mit einer unbedachten Handlung ist das Leben zerstört. Oder schlimmer: mit einer bedachten Handlung, die jedoch von der Umwelt anders aufgefasst wird.

13.4.:
Steckenpferd How-to-Literatur. Was ich bereits an Künstleranatomien, Speed-Drawing-Videos sowie youtube’ten Interviews, Vorträgen, Dokus und Podiumsdiskussionen sah/las/hörte, ist unzählig. Fehler der Vergangenheit werde ich nie wiederholen, denn ich blicke zurück und bleibe dabei sicherheitshalber stehen.

22./29.4.:
Start in die Woche mit einem erfrischenden Schaumbad. Doch zuerst gilt es, aufzustehen. Erwerbsloser Single zu sein heisst Überwindung des Selbst und Kampf gegens Bettzeug.

5.5.:
Noch immer fällt es mir schwer, meinen Lebenslauf bzw. ne kurze Autobiografie positiv und healthy zu formulieren. Das unterlief mir zB, als der ebenfalls aktskizzierende ältere Herr fragte, wofür ich denn da zeichnete.
Statt, dass ich es dabei belasse, »damit ich es lerne und kann« zu sagen, sprudelt alles aus mir heraus und wirkt und ist defensive. So übel. Ich bin die Karikatur eines an Selbstzweifeln Scheiternden.

7.5.:
SLUB-Besuch fürs Twittern, Podcasts runterladen und ein wenig News lesen. Wobei ich, ehrlich gesagt, keine Lust mehr habe, vollwertige Nachrichten zu konsumieren. Rückzug vor Panikmache?
Ich sollte wirklich mal wieder bloggen, am besten etwas Unverfängliches. Bislang verliefen alle Langform-Ansätze im Sand. Hier im Tagebuch bin ich derzeit am Langförmigsten.

12.5.:
Immer beim Versuch oder bloßem Gedanken an den Versuch, etwas Passendes zu finden, zone ich aus und alsbald findet sich Ablenkung (Webseiten, Bücher, Filme, Fototour, Kindbetreuung, Aktzeichenkurs, Musik, Podcasts, Twitter und noch mehr Twitter, Tagebuchfüllen, schlafen, Bibliotheks-hopping, ÖPNV-Fahren, Schnäppchensuche in Sozialkaufhäusern und lbnl Hausarbeiten und Einkaufen) und die Sorgen sind verdrängt. Fit für den Arbeitsmarkt zu sein geht anders.

13.5.:
Montagsdemo-Nachgedanken: viele Gespräche bestehen aus Fachsimpeleien inkl. Politisierung des Alltags. Alles zigdutzendmal durchkaspern und dabei oft genug vor verstiegenen Äußerungen zurückschrecken von Handreichungen verteilenden »talking at«-Menschen.
Vor allem bin ich selbst einer dieses Schlages, bilde ich mir ein. Obwohl ich leider nicht so gefestigt bin mit meinem Quatsch und mich von an sich idiotischem Kram zu verständnisvollem Kopfnicken verleiten lasse. Oder, schlimmer: zu längeren Gesprächen mit seltsamen, verbohrten Typen. Oder: ich beleidige sie versehentlich, weil ich ihren Schachtelsatz unterbreche, weil ich längst zu wissen glaube, worauf sie hinauswollen.
Das geht so nicht. Ich benötige eine Taktik. Und die beste, die mir derzeit einfällt, ist, nicht offen zu bleiben, nachdem Verrücktes offensichtlich wird. Ausflucht finden, abhauen. »Tschüss, bis demnächst!« Ignoranz ist manchmal wirklich Stärke.

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