Autobiografische Skizze(!) ohne Spendenkonto

Bereits vor vielen Wochen hatte ich geplant, doch mal wieder einen Blogbeitrag zu verfassen, in dem ich mich kritisch mit der Kickstarter-Mentalität auseinandersetze: crowd-funding als Einkommensquelle für darbende Kreative und wie in aller Welt sich dieses Konzept längerfristig halten soll.

Inzwischen hat sich geklärt, warum dieses Thema überhaupt solch ein Trigger für mich ist und ich muss auf kein Beispiel von außerhalb zurückgreifen.

[tl;dr: Ich bin fast zweiunddreißig Jahre alt und verfasse selbstmitleidige Blogposts.]

In diesem Januar war mein dreizehntes Volljährigkeits-Jubiläum und somit hänge ich nun offiziell seit (mindestens) dreizehn Jahren in der Luft. Ich habe nirgends fußgefasst, an allem etwas auszusetzen und habe noch kein Team gefunden, für das ich fähig bin.

Interessen habe ich viele – Fotografieren, Zeichnen, Elektronische Tanzmusik, Medienkritik, Informationsaufbereitung, Schreiben und ähnliches –, doch mir stets eingeredet, dass alle es besser drauf haben und sich vor allem besser vermarkten. Seit mindestens dem 18ten Lebensjahr gehe ich staunend durch die Welt und/oder bin gefrustet, weil andere es schaffen, mit Dingen erfolgreich zu sein, die ich sozusagen ‘heimlich’ selbst kann.*

*(Selbstvertändlich immer mit dem warnenden Hintergedanken, dass dieser Frust die Standard-Meinung eines Menschen ist, der im Museum “Das kann ich auch!” raunt, obwohl sein Output lächerlich wäre, sobald er überhaupt mal daran ginge, vermeintliche Kunst zu schaffen.)

Jedenfalls hat meine Einstellung dazu geführt, dass ich nun bereits seit über dreizehn Jahren nie wirklich über das Stadium der Notizen, Skizzen und Unvollendeten Werke hinausgekommen bin. Aus Furcht vor Gelächter, verärgertem Abwinken und knallenden Türen habe ich mich online zwar gern in Form von Forenbeiträgen, Blogposts, Kommentaren und Linktipps zu Wort gemeldet, aber selten(st) mit selbstbewusst dargebotenen, eigenständigen Werken.

Und wenn doch, dann war mir das doch immer auch peinlich und eigentlich bereits zu aufdringlich, und deshalb ist mein Kram »mein Kram« oder “Test.mp3”, und kein offensiv und stolz beworbenes Unikat aus meiner Fertigung – am Ende gar noch mit Kaufpreis.

Offline bin ich ebensowenig vertreten: ich gab kein Konzert, betrat nie Lesebühnen, bewarb mich nicht an der Kunsthochschule und stresse in Gesprächen mit Themensprüngen und nerviger Sprechstimme (Selbsteinschätzung).

Das alles wäre kein Problem, wenn ich doch nur wenigstens klug genug gewesen wäre, um – angefangen mit einem PKW-Führerschein – zumindest irgendetwas ‘richtiges’ durchzuziehen, und Schöpferisches reineweg als Hobby oder maximal noch zweites Standbein (Clickcents!) zu betreiben. Von wegen…

Die Jahre vergingen und waren gefüllt mit vergeigter Lehre, dreiviertel FÖJ, Schulischer Ausbildung zum Assistenten für Softwaretechnologie, Saisonjobs an der Erdbeer-Selbstpflück-Kasse, allmählich zerbröselnder Paarbeziehung und lbnl dem abgebrochenem FH-Studium Freiraumgestaltung. Hinzu kommen meine beiden Kinder, an deren Zeugung und Erziehung ich beteiligt war/bin und die meine Reisefreiheit fast noch mehr einschränken als es mein Kontostand tut.

Oder ganz anders und apropos Themensprung: leider kann ich auf Online-Spendenaktionen nicht angemessen reagieren und werde mir wohl auch die Printausgaben der Webcomics meiner Online-Held_innen nicht kaufen.

Darf ich Fan und Stammleser bleiben, ohne gleichzeitig für ihren Lebensunterhalt sorgen zu müssen? Reicht es, mit Klickbefehl!-Tweets und Eyeballs zu bezahlen?

Und vor allem: wäre es nicht anmaßend, nun auch noch selbst anzufangen, Eigenkreationen gegen Entgelt feilzubieten und so den gelernten Könner_innen Krümel vom Brot zu knibbeln?

Marktwirtschaft bleibt jedenfalls spannend, Selbstkritik ebenfalls, Psychotherapie sowieso.

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